Sport : Ein bisschen wie gewonnen

Hertha BSC spielt 1:1 gegen den FC Bayern, das bringt nur einen Punkt – aber Mut für die Zukunft

Michael Rosentritt

Berlin. Nach dem Abpfiff rannte noch einmal der ehemalige Keilstürmer Dieter Hoeneß auf das Tor der Bayern zu, so, als wollte er mit Worten noch den Siegtreffer für Hertha BSC setzen. Nach 90 Minuten hieß es gegen den FC Bayern München vor 60 800 Zuschauern im Olympiastadion 1:1 (1:1). Marcelinho hatte kurz vor dem Halbzeitpfiff die Führung der Münchner durch Roy Makaay egalisiert. Für Hoeneß aber fühlte sich die Punkteteilung ein bisschen wie ein Sieg an. „Das Spiel wird der Mannschaft jetzt helfen“, sagte der Manager der abstiegsgefährdeten Berliner, „wenn die Mannschaft so weiter spielt, werden wir es packen.“

Aber was packen? Dem Abstieg entrinnen oder aber sich erhobenen Hauptes aus der Bundesliga verabschieden? Denn eigentlich ist der eine Punkt gegen den Rekordmeister zu wenig. Vor dem Spiel hatte Hertha nur einen Punkt Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz, jetzt, da die Konkurrenz im Kampf gegen die Zweitklassigkeit gepunktet hat, sind es schon zwei. „Mir hat die Art und Weise gefallen, wie die Mannschaft zurückgekommen ist und gekämpft hat“, sagte Hoeneß noch. „Wenn wir diesen Schwung mitnehmen können, war das Spiel vielleicht die Initialzündung.“ Sein erster Weg war deshalb der in die Kabine zu seinen Spielern. „Wir haben der Mannschaft klar gemacht, dass es ein gutes Unentschieden war.“

Hoeneß’ Auftritt hinterher war um einiges mutiger als das Auftreten der Berliner Profis. In der ersten halben Stunde setzte der FC Bayern die jüngste Hertha-Abwehr aller zeiten unter Druck. Herthas Trainer Hans Meyer sprach von einer anfänglich „ängstlichen Spielweise“ und schob das teilweise auf die vielen jungen Spieler im Team. Vor allem Sofian Chahed und Alexander Madlung, die die gesperrten Arne Friedrich und Kapitän Dick van Burik ersetzten, ließen sich von ihren Gegenspielern ein ums andere Mal narren. Doch das Gegentor hatten nicht nur sie zu verantworten. Marko Rehmer und Josip Simunic ließen ebenso Roy Makaay unbedrängt zum Schuss kommen. Gegen den strammen Schuss des Niederländers war Christian Fiedler machtlos. „Wir kennen seine sehr gute Schusstechnik“, sagte Ottmar Hitzfeld später. „Das Tor hat der Roy grandios gemacht.“

Dass es in der Anfangsphase nicht schlimmer kam, war ausschließlich Torwart Fiedler zu verdanken. Erst verhinderte er im Zusammenspiel mit der Latte einen Treffer von Owen Hargreaves, dann klärte er artistisch gegen Michael Ballack. In der zweiten Halbzeit verhinderte er mit einer „Weltklasseparade“ (Meyer) gegen Zé Roberto das 1:2.

„Beide Mannschaften brauchten unbedingt die drei Punkte. Wir haben hier zwei Punkte verloren, aber die Berliner auch“, sagte Hitzfeld. Auf die Frage, ob die Meisterschaft für die Bremer nun entschieden sei, antwortete Bayerns Trainer ausweichend: „Sollte Bremen am Sonntag gewinnen, wird es für uns ganz schwer. Aber vielleicht kriegen wir noch eine Chance, in die Meisterschaft zurückzukehren. Für heute bin ich enttäuscht, dass meine Mannschaft so früh im Spiel zurückgesteckt hat.“

Hertha fing nach einer halben Stunde an, den Umstand zu nutzen. Torgefahr entwickelten die Berliner zunächst allerdings nicht. Der Ausgleichstreffer kurz vor der Pause fiel quasi aus dem Nichts. Malik Fathi wurde von Bayerns Bastian Schweinsteiger im Strafraum zu Fall gebracht. Den fälligen Elfmeter, es war der erste der Saison für die Berliner, verwandelte Marcelinho sicher.

Die Bayern kamen danach nicht mehr ins Spiel, wie Hitzfeld sagte, „und dann haben wir den Berlinern durch individuelle Stellungsfehler noch zwei Großchancen aufgelegt“. Empfänger der Geschenke war jeweils Giuseppe Reina, der damit nichts anzufangen wusste. Ob Fredi Bobic es besser gemacht hätte, darf bezweifelt werden. Ihn brachte Meyer erst zehn Minuten vor dem Spielende. In Szene setzen konnte sich der Nationalstürmer nicht.

„Vielleicht gibt uns das Spiel einen Ruck für eine bessere Zukunft“, sagte Andreas Neuendorf. „Eine der Chancen hätten wir nutzen müssen.“ Der beste Mann des Tages, Christian Fiedler, behielt auch nach Spielende den Überblick. „Jetzt haben wir wieder eine Perspektive.“ Aber mehr nicht.

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