Sport : Ein Denkmal wackelt

Klaus Rocca

Es sieht aus, als sei es für ihn eine Qual. Seine Gesichtszüge scheinen den Eindruck zu bestätigen. Doch sie könnten auch von der unermüdlichen Rackerei, dem weiterhin enormen Laufpensum gekennzeichnet sein. "Eine Qual ist es für mich jedenfalls nicht. Dazu macht mir das Fußballspielen viel zu viel Spaß", sagt Michael Preetz. Doch derzeit gehen Spaß und Leidenschaft nicht mit dem Erfolg einher. Und an dem werden Spieler wie Michael Preetz nun einmal gemessen. Stürmer müssen möglichst viele Tore schießen. Fünf hat Preetz in den bisherigen 15 Bundesligaspielen erzielt. Für einen wie ihn zu wenig.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Doch es kommt noch etwas anderes hinzu. Preetz trifft nicht nur selten ins Tor, er spielt auch oft sehr unglücklich. Immer weniger Zweikämpfe gewinnt er, das Zusammenspiel mit seinen Nebenleuten lässt auch zu wünschen übrig. Muss er, der Älteste im Kader von Hertha BSC, nun doch seinen 34 Jahren Tribut zollen? "Das ist doch keine Frage des Alters. Ich bin körperlich immer noch gut drauf. Da kann mir keiner was vorwerfen", sagt Preetz. Im Sturm gebe es derzeit "nicht so wahnsinnig viele gute Aktionen". Und er lebe als Stürmer eben auch davon, von seinen Mitspielern gut in Szene gesetzt zu werden.

Soll heißen: Vor allem die präzisen, hohen Flanken, die vermisst er, der Kopfballspezialist. Das war lange Zeit anders. In jener Zeit, da Michael Preetz fast schon Garant für Tore war. In der Saison 1998 erzielte er 14, im Jahr darauf war er mit 23 sogar Bundesliga-Torschützenkönig, 2000 waren es 12 Treffer, in der letzten Saison noch beachtliche 16. Und nun, fast bei Hälfte der Saison, besagte fünf, in den letzten drei Spielen ging er leer aus. Zwar ist bei Hertha nur Marcelinho (6) erfolgreicher, doch für einen wie den siebenmaligen Nationalspieler muss die bisherige Ausbeute enttäuschend sein. Ist sie auch. "Aber andere können eben auch nicht mit sich zufrieden sein." Alex Alves könnte sich angesprochen fühlen. Der hat noch kein einziges Tor zustande gebracht.

Man könnte annehmen, der geringe Erfolg würde Preetz darin bestärken, es nach dieser Saison gut sein zu lassen. Dann läuft der Vertrag des Spielers Michael Preetz aus. Für drei weitere Jahre hat Hertha BSC ihn dann für das Management verpflichtet. Doch noch schwankt Preetz, ob er nicht noch eine Saison ranhängen soll. "Am Anfang des nächsten Jahres werde ich mich entscheiden", sagt er. Es gibt Ratgeber, die ihm empfehlen, es mit dieser Saison bewenden zu lassen. Sie wollen es Preetz ersparen, in der Gunst der Fans und der Medien zu sinken. Von all denen wird Preetz weiter akzeptiert, weil er eine Persönlichkeit ist. An solch einem Denkmal kratzt niemand gern.

Bei seinem Trainer genießt Preetz ohnehin weiter großes Vertrauen. Jürgen Röber hat stets von einem "gegenseitigen Geben und Nehmen" gesprochen, seinem Mannschaftskapitän auch dann den Rücken gestärkt, wenn dieser doch einmal ins Visier der Kritiker geriet. Bislang hat Preetz dieses Vertrauen stets mit wichtigen Toren gerechtfertigt. Mit Toren, die oft auch oder gerade Röber in misslichen Situationen aus der Bredouille halfen. Nicht zuletzt deshalb ist Preetz immer wieder dabei. In allen bisherigen 15 Bundesligaspielen durfte er (ebenso wie Dick van Burik) mitmachen, lediglich beim kürzlichen Pokalspiel in Erfurt gönnte Röber ihm eine Atempause.

Das Festhalten an Preetz könnte sich rächen. Dass der Körper eines 34-Jährigen unter dem augenblicklichen Mammutprogramm mit den vielen englischen Wochen mehr leidet als einer der jungen Spieler, liegt nahe. Röber will davon jedoch nichts wissen: "Das Alter ist dabei unwichtig." Dennoch - der Trainer will reagieren. Gestern, nach dem Abschlusstraining für das heutige Spiel gegen den gastgebenden FC Schalke 04 (Beginn 17.30 Uhr), sagte Röber: "Ich werde dem einen oder anderen eine Pause gönnen. Darunter könnte Pal Dardai sein, auch Michael Preetz." Zu diesem Zeitpunkt hatte Jürgen Röber mit seinem Kapitän noch nicht gesprochen. Das wollte er erst am Abend tun.

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