Sport : Ein dramatischer Erfolg

Deutschland schlägt Angola bei der Basketball-WM nach drei Verlängerungen

Benedikt Voigt[Hiroshima]

Sven Schultze tropfte auf das Absperrgitter. Es war die Anstrengung der vergangenen Stunden, die von dem deutschen Basketball-Nationalspieler in der Green- Arena von Hiroshima in Form von Schweißtropfen abperlte. Zwar hatte er extra Nudeln mit Olivenöl und Parmesan gefrühstückt, um körperlich fit für das um 13 Uhr Ortszeit angesetzte WM-Spiel gegen Angola zu sein. Doch anschließend wünschte er sich, er hätte den einen oder anderen Teller mehr gegessen. „Es war sehr anstrengend“, sagte er schwitzend. Drei Verlängerungen waren nötig, um im Spiel zwischen Deutschland und Angola einen Sieger zu finden. Ein so langes Spiel hat es bei einer WM noch nie gegeben. 108:103 (95:95, 83:83, 69:69, 33:30) gewann das deutsche Team dank Dirk Nowitzkis überragender Leistung. Der NBA-Star erzielte 47 Punkte, darunter einen Dreier in der ersten Verlängerung, der eine Niederlage in letzter Sekunde abwendete. Auch die bislang eher zurückhaltenden japanischen Zuschauer begeisterte das Spiel. Sie verabschiedeten beide Teams mit lautem Beifall. „Unglaublich, was alle Spieler bereit waren zu geben“, sagte Bundestrainer Dirk Bauermann.

Seine Mannschaft beendet die Gruppe B auf Platz zwei und trifft am Sonntag im Achtelfinale auf Nigeria. „So ein Sieg kann die Mannschaft in das nächste Universum schießen“, sagte Ademola Okulaja, der 14 Punkte erzielte und vier Ballgewinne verzeichnete. Bislang hatte das deutsche Team durchwachsene Darbietungen gezeigt, der dramatische Erfolg gegen Angola soll die Wende zum Guten bringen. „Wenn man in einem Turnier Schlüsselspiele gewinnt, rückt die Mannschaft nur noch mehr zusammen“, sagte Nowitzki, „ich hoffe, dass dies auch so eines war.“

Nur im ersten Viertel hatte das deutsche Team seinen Größenvorteil nutzen können, dann wurden die Angolaner mutiger und begannen aus der Distanz zu treffen. Vor allem Flügelspieler Olimpio Cipriano, der 33 Punkte erzielte, brachte Steffen Hamann und Demond Greene in der Verteidigung zur Verzweiflung. Dass so ein Topspieler nicht in Europa oder in den USA, sondern in seiner Heimat spielt, überrascht Okulaja nicht. „Ich habe schon Hunderte getroffen, von denen man denkt, warum sind sie da, wo sie spielen.“

Im dritten Viertel erspielten sich die Angolaner erstmals eine Führung von sechs Punkten. „Gewinnt diesen Mist“, rief Bauermann seiner Spielern zu – nicht ahnend, dass er dafür drei Verlängerungen durchleben musste. Er hatte erstmals nur acht Spieler aufgeboten, Guido Grünheid, Jan Jagla setzte er gar nicht, Pascal Roller für drei Sekunden ein. Johannes Herber kam in der zweiten Verlängerung. „Ich war kalt“, sagte der Neu-Berliner, „ich habe versucht, das Beste draus zu machen.“

Es wäre gar nicht zu einer Verlängerung gekommen, hätte Mithat Demirel nicht 26 Sekunden vor dem Ende den Ausgleich per Dreier erzielt. In der ersten Verlängerung lag Bauermanns Team in den Schlusssekunden drei Punkte zurück. Doch Nowitzki wendete mit einem Dreier, den er über den vor ihm stehenden Joaquim Gomes hinweg warf, die Niederlage ab. Ein Schrei der Begeisterung ging durch die Halle. In der zweiten Verlängerung rettete Nowitzki mit beeindruckender Freiwurfquote die Deutschen. Insgesamt traf er 17 von 17 Versuchen. In der dritten Verlängerung bekamen die Deutschen die Angolaner in Griff.

Dirk Nowitzki erzielte so viele Punkte im Nationalteam wie nie zuvor. „Das ist nicht normal, was er macht“, sagte der Bundestrainer, „auch wie er die Mannschaft angefeuert und gepuscht hat, das war fantastisch.“ Auch die anderen Spieler lobte der Bundestrainer nach dem nicht hochklassigen, aber hochdramatischen Match. „Einer kann nicht gegen fünf Spieler gewinnen“, sagte er, „wir haben eine Menge großartiger Spieler.“

Für das Achtelfinale gegen Nigeria ist das deutsche Team nun gut präpariert. „Wir haben ein Spiel gebraucht, das uns aufweckt“, sagte Bauermann, „ich hoffe, dass es uns sehr viel Selbstvertrauen für die nächste Runde gibt.“ Zumindest bei Sven Schultze traf dies bereits unmittelbar danach zu. Er hatte erfahren, dass Deutschland im Viertelfinale auf Titelfavorit USA treffen würde. „Es kann kommen, wer will, dann schlagen wir eben die USA“, sagte er und tropfte weiter.

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