Sport : Ein Engländer aus Kanada

Greg Rusedski ist in Großbritannien unbeliebt – nun steht auch noch unter Dopingverdacht

Benedikt Voigt

Eines hat Greg Rusedski Mohammed Al Fayed voraus. Der gebürtige Kanadier besitzt im Gegensatz zu dem ägyptischen Millionär seit 1995 einen britischen Pass. Al Fayed hingegen kämpft seit Jahren vergeblich, dass ihm diese Ehre zuteil wird. Bei Rusedski machte es seine britische Mutter möglich, in den Besitz eines zweiten Passes zu gelangen. Eines jedoch haben der Tennisspieler und der in England lebende Millionär gemeinsam: In den Herzen der Briten sind beide nicht angekommen.

Dass Greg Rusedski nun auch noch in einen strittigen Dopingfall verwickelt ist, dürfte seinem schlechten Image in England nicht gerade helfen. Im Juni 2003 verabschiedete er sich mit einer Salve von Flüchen aus dem Grand-Slam-Turnier, die auch noch live im britischen Fernsehsender BBC übertragen wurden. Dabei wählte er so derbe Worte, dass sogar die nicht gerade zimperlichen britischen Boulevard-Blätter seine Flüche nur in schwarzen Balken druckten. Eine Schiedsrichterentscheidung hatte den Linkshänder bei der Zweitrunden-Niederlage gegen Andy Roddick so aufgeregt.

Fortan besaß Rusedski in England das Image eines impulsiven, emotionalen Spielers, der nur schlecht verlieren kann. Es verstärkte sich das Phänomen, dass er nur dann ein echter Engländer ist, wenn er gewinnt. Verliert er, tauchen Vermutungen auf, dass er den britischen Pass nur beantragt hat, weil er sich in England als Tennisspieler besser vermarkten kann. Dort ist er neben Tim Henman immer noch die einzige Hoffnung bei den Herren.

Inzwischen fiel der 30-Jährige in der Weltrangliste auf Rang 119 zurück. Seine Karriere neigt sich dem Ende zu. Eine zweijährige Sperre, die ihm im Falle einer Verurteilung wegen Dopings droht, würde das nur beschleunigen. Doch Rusedski kämpft, auf und neben dem Tennisplatz. Immerhin überraschte ihn die Reaktion der Menschen auf seinen Dopingfall. „Es gab nichts anderes als Unterstützung“, hat Rusedski festgestellt. Eigentlich ist er das Gegenteil gewohnt.

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