Sport : Ein Erfolg fürs Herz

Die Tischtennisspielerinnen des TTC Eastside feiern die Champions League sparsam.

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Im Halbkreis der Siegerinnen. Berlins Team mit Georgina Pota, Irene Ivancan, Polina Michailowa, Managerin Tanja Krämer, Trainerin Irina Palina und Petra Lovas (v.l.). Foto: Imago
Im Halbkreis der Siegerinnen. Berlins Team mit Georgina Pota, Irene Ivancan, Polina Michailowa, Managerin Tanja Krämer, Trainerin...Foto: IMAGO

Berlin - Wer als Erste den Pokal in die Hände bekommen sollte, darauf hatten sie sich nicht vorbereitet. Das lag sicher nicht nur daran, dass die Trophäe für den Gewinn der Champions League im Tischtennis kein besonders schöner Preis ist. Sondern schon fast so hässlich, dass der Siegessekt darin schal werden könnte. Erst griff keine der Spielerinnen des TTC Berlin Eastside nach dem Pokal, bis Managerin Tanja Krämer aus der Reihe auf dem Podest einen Halbkreis gebildet hatte und der Pokal in der Mitte landete, in nahezu allen Händen gleichzeitig.

So zeigte das Zeremoniell noch einmal, warum die Berlinerinnen Europas wertvollsten Vereinserfolg im Tischtennis erobert hatten. Keine drängelte sich nach vorne. Jede der drei eingesetzten Spielerinnen gewann im Hinspiel oder Rückspiel mindestens ein Einzel. Ihr Finalgegner SV Schwechat, zu Hause in einem der besten Trainingszentren Europas in der Nähe des Wiener Flughafens, hatte zwar mit Fan Ying die überragende und unbesiegte Einzelspielerin, sie alleine konnte die Niederlage ihrer Mannschaft aber auch nicht verhindern.

Das Hinspiel hatten die Berlinerinnen im Freizeitforum Marzahn 3:2 gewonnen, im Rückspiel stand es vor dem letzten Einzel 2:2. Als die deutsche Nationalspielerin und Vizeeuropameisterin Irene Ivancan dann aber den zweiten Satz gegen Li Qianbing gewonnen hatte, war auch das Finale insgesamt entschieden. Die Berlinerinnen führten nun im Satzverhältnis uneinholbar 19:17, dass Ivancan ihr Einzel am Ende verlor, machte daher gar nichts mehr. Für Eastside war es die schönste Niederlage der Vereinsgeschichte.

Die Feier am späten Montagabend in Schwechat fiel eher sparsam aus. Alle fielen sich gegenseitig in die Arme, es gab ein paar Erinnerungsfotos in der Halle, dann zog die Mannschaft weiter. „Wir haben uns noch an einer Tankstelle mit Getränken eingedeckt und die dann vor und in unserem Hotel ausgetrunken“, sagte Vereinspräsident Alexander Teichmann. 1000 Euro hätte die Klubführung der Mannschaft als Prämie für die Champions League spendiert. Viel ist davon jedoch nicht mehr übrig, weil die Spielerinnen davon die 20 mitgereisten Fans noch einluden.

Als erstes deutsches Frauenteam hat Eastside die Champions League gewonnen. Ein Preisgeld des Europäischen Tischtennis-Verbandes ist mit dem Gewinn nicht verbunden. Im Gegenteil: Die Saison in der Champions League hat die Berliner 10 000 Euro gekostet. Auch deshalb hat Managerin Krämer, früher selbst Deutsche Meisterin im Einzel, einige Änderungsvorschläge eingereicht. Etwa das Startgeld für die Champions League zu erhöhen und davon am Ende einen Teil an den Sieger und den unterlegenen Finalisten auszuschütten. Es würde vielleicht auch den Anreiz für andere Klubs erhöhen, in der Champions League mitzuspielen.

„Ein schöner Erfolg für die Annalen und fürs Herz“, nannte Teichmann den Gewinn der Champions League. Und er könnte vielleicht auch ganz praktisch etwas bewirken, beim Anwerben von Sponsoren, in Verhandlungen mit dem Landessportbund um die Verteilung von Fördermitteln, aber auch in der eigenen Halle. „Vielleicht fällt manchen jetzt das Auf- und Abbauen der Tischtennisplatten leichter.“ Man macht es schließlich für einen Champions-League-Sieger.

Wie es in der nächsten Saison weitergeht, hatte die Klubführung des TTC Eastside schon vor dem Finale beschlossen: mit der gleichen Mannschaft wie in dieser Saison. Und wieder mit dem Versuch, den europäischen Titel mit dem klangvollsten Namen zu gewinnen.

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