Sport : Ein Feuer aus dem Restfunken

Bochum gibt sich beim 2:2 in Gladbach nicht auf

Andreas Mohrbach[Mönchengladbach]

Lange war nichts zu sehen gewesen von Peter Neururer. Gut versteckt hielt sich der Trainer des VfL Bochum auf seinem überdachten Trainerbänkchen auf. Borussia Mönchengladbach führte 2:0, und der Trainer Neururer bereitete sich offensichtlich schon auf seine nächsten Durchhalteparolen in Sachen Abstiegskampf für den VfL Bochum vor. Doch 20 Minuten vor Schluss stand der Mann in seiner schwarzen Lederjacke plötzlich aufgeregt am Rande seiner Coachingzone, hüpfte und zuckte, weil Mittelstürmer Vratislav Lokvenc unverhofft doch noch der Anschlusstreffer gelungen war. In der Schlussminute verlor Neururer endgültig seine Körperbeherrschung, legte sich vor Glück oben auf die Bochumer Spielertraube, weil sein Team mit einem 2:2 doch noch einen Punkt geholt hatte.

Neururer wird seinen Spielern in dieser Woche gewiss immer wieder „diese letzten, glücklichen Momente“ in die Hirne hämmern. Denn für ihn stand fest: „Wenn ich das Bild beider Mannschaften nach dem Schlusspfiff gesehen habe, dürfen wir uns als moralischer Sieger fühlen.“ Auch wenn es keinen Sieger gab. Und zwar völlig zu Recht, wie Dick Advocaat grummelte. „Beide haben hart gearbeitet, aber nicht gut gespielt“, stellte Gladbachs Cheftrainer fest. Nicht gut – so wie Abstiegskandidaten eben.

Aufzeichnungen von Marcelo Pletschs fatalem Eigentor in der letzten Minute wird Advocaat seinen Profis vermutlich ersparen. Man muss sich in seinem Schock ja nicht unbedingt suhlen, vielmehr fordert der Niederländer: „Wir müssen dieses Spiel so schnell wie möglich vergessen.“ Ist ja auch nicht schön, wenn man eine sichere Führung verspielt. Peer Kluge aus einem Gewurschtel im Strafraum heraus (30.) und Marcell Jansen nach einem formidablen Pass von Kluge (52.) hatten das 2:0 herausgeschossen, das alle zusammen dann wieder zunichte machten. „So eine Führung muss man normalerweise ausspielen“, seufzte Advocaat. „Das haben wir nicht geschafft, da bleibt etwas hängen.“

Das klingt bedenklich, und das ist es auch. Hansa Rostock ist der Borussia vom Niederrhein nach diesem Spieltag bis auf sechs Punkte auf die Pelle gerückt, zudem lautet eine Auswahl der noch ausstehenden Gladbacher Gegner: Bayern München (nächsten Samstag), VfB Stuttgart, Hamburger SV, Hertha BSC und Bayer Leverkusen. Und nicht zuletzt deshalb konnte Peter Neururer seine aktuelle Durchhalteparole am Ende auch etwas modifiziert präsentieren. „Wir werden“, ordnete Bochums Trainer trotz der nach wie vor sechs Punkte Rückstand auf Platz 15 an, „weiter an unserem Restfunken Hoffnung arbeiten. Und dann zusehen, dass bald ein Restfeuer daraus wird.“

Dieses Feuer strahlte Torwart Rein van Duijnhoven bereits im Borussia-Park aus: In der Schlussminute gesellte sich der Niederländer zu den Feldspielern und versuchte sich vor dem Gladbacher Tor als Goalgetter. Weil er zeigen wollte, „dass wir alles Menschenmögliche tun, um da unten noch rauszukommen“. Eine ungewöhnliche Aktion für van Duijnhoven, der mit einem Kopfball indirekt am 2:2-Ausgleich beteiligt war. „Normalerweise gehe ich so kurz vor Schluss nicht mehr aus meinem Tor“, erzählte der Torwart noch. „Denn meistens sind wir da schon hoch im Rückstand. Da brauche ich nicht mehr zu kommen.“

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