Sport : Ein gerechtes Urteil und offene Fragen

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Frank Bachner über die milde

Strafe für Jan Ullrich

Sechs Monate Sperre für Jan Ullrich. Kein Dopingfall im engeren Sinne, urteilten die Sportrichter. Was ist das nun? Ein Kniefall vor einem Medienstar? Oder eine gerechte Strafe? Jan Ullrich hat die Mindeststrafe erhalten. Aus streng juristischer Sicht ist das in Ordnung. Das Höchstmaß an Sanktionen, zwölf Monate Sperre, wäre zu viel gewesen für diesen Fall. Er hat keine volle Dosis Anabolika geschluckt, er wurde nicht während eines Rennens, beim direkten Betrug von Gegnern, erwischt, er war in der Rehabilitation, also im Aufbautraining nach seiner Knieverletzung, und Starts bei Rennen waren ohnehin nicht geplant. Hätte er wirklich nur an Leistungssteigerung gedacht, hätte er vermutlich Anabolika geschluckt. Das steigert den Muskelaufbau.

Aber den Fall Ullrich kann man nicht bloß aus dem Blickwinkel von Rechtsexperten betrachten. Dazu bleiben zu viele Fragen offen, Problempunkte, die nicht juristisch, sondern moralisch zu werten sind, und das Image des Profis Ullrich erheblich beschädigen. Zu seltsam klingt nämlich seine Begründung für die Pillen-Schluckerei. Erst gab ihm ein Bekannter das Amphetamin, dann war’s plötzlich doch ein Unbekannter, und zufällig hatte der Profi seine hochdepressive Phase kurz vor einer unangemeldeten Dopingkontroll gehabt. Und natürlich hat er auch nur einmal etwas auf diese Art gegen die Depressionen unternommen, kurz vor dieser Doping-Kontrolle. Dass ausgerechnet einer der am kritischsten beobachteten Athleten unbekannte Pillen schluckt – nun ja, wer’s glaubt. Offiziell muss man ihm das glauben, das Gegenteil ist derzeit nicht zu beweisen.

Doch wegen der vielen Ungereimtheiten kam Jan Ullrichs Beichte nun einmal nicht als reine Wahrheit rüber, sondern wirkte eher wie ein Vertuschungsversuch. Ungerecht? Vielleicht, aber daran ist Ullrich selbst schuld.

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