Sport : Ein Glücksfall für die Mitte

Handballprofi Kjetil Strand, Regisseur der Füchse Berlin, trifft heute auf seinen früheren Verein Flensburg

Hartmut Moheit

Berlin - Schwitzend, aber lächelnd läuft Kjetil Strand um die Kurve. Eine Stunde Lauftraining ist ihm kaum anzumerken. Dabei hat er auch noch seine Teamkollegen vom Handball-Bundesligisten Füchse Berlin ein Stück abgehängt. Und das, obwohl Trainer Jörn-Uwe Lommel verkündet hat, der Norweger habe Konditionsprobleme. Doch Strand antwortet ihm: „Ich bin topfit.“ Mit dieser Aussage möchte der 28-jährige Regisseur der Füchse Berlin zugleich ein Zeichen für das heutige Spiel in der Handball-Bundesliga gegen Tabellenführer Flensburg-Handewitt (20.15 Uhr, Max-Schmeling-Halle). So eine Pleite wie gegen die Rhein-Neckar Löwen, als wir regelrecht einbrachen, passiert nicht noch mal. Wir haben bei den Fans viel gutzumachen“, erklärt er.

Gegen die Flensburger ist Strand besonders motiviert, denn dort durfte er vor knapp vier Jahren mal den „Ersatzmann für einige Verletzte spielen“. Da half es ihm auch nicht, dass er zuvor in der Saison 2002/03 mit 281 Treffern bei Stavanger – in seiner Geburtsstadt – Torschützenkönig der norwegischen Liga geworden war. Strand blieb in Flensburg nur Ersatz, enttäuscht wechselte er nach nur sechs Monaten nach Dänemark, wo er zwei Jahre lang erst für Bjerrinbro-Silkeborg und danach für Aalborg spielte.

„Ich habe ihn immer nur in der norwegischen Nationalmannschaft gesehen“, sagt Jörn-Uwe Lommel, „und da ist er mir nachhaltig in Erinnerung geblieben.“ Dass Strand schließlich bei den Füchsen in Berlin gelandet ist, sehen Lommel und auch Manager Bob Hanning heute unisono als einen Glücksfall an. „Er ist ein sehr kampfstarker Typ, der aus dem Rückraum auch mal einfache Tore aus dem Stand werfen kann“, sagt Lommel über den Kopf seines Teams. Strand sei einer, mit dem man nicht nur um den Klassenerhalt spiele. Er habe auch das Können, um in Zukunft größere Ziele mit zu verwirklichen. Zwar gelang ihm in der Bundesliga noch nicht so ein Coup wie für Norwegen bei der EM 2006 in der Schweiz, als er im Hauptgruppenspiel gegen Island 19 Treffer warf, aber sein Wert als Regisseur und Torewerfer ist beim Aufsteiger unbestritten.

Für das heutige Spiel erwartet der Aufsteiger 6500 Zuschauer, was eine neue Rekordmarke wäre. Die Handballfans können sich dann auch von Strands derzeitigen Problemen überzeugen. Zwar geht von ihm nach wie vor Dynamik und auch Torgefahr aus, aber weil ihm auf den Halbpositionen die Entlastung fehlt, kann sich jede Deckung fast auf ihn alleine konzentrieren. Bob Hanning versucht gegenwärtig, für eine der Halbpositionen einen Spieler zu verpflichten, der von ähnlicher Qualität ist wie Strand. Im Gespräch sind derzeit der Pole Michal Kubisztal (Zaglebie Lubin), der Franzose Cristian Caillat (Rhein-Neckar Löwen) oder der Österreicher Viktor Szilagy (THW Kiel), dann erst wird auch der Norweger in der Bundesliga auftrumpfen können.

Strand fühlt sich trotzdem wohl in Berlin, seine Freundin Lena wird im Dezember einen Sohn zur Welt bringen. Der Norweger ist nicht unzufrieden mit dem, was die Füchse bisher erreicht haben. „Wir haben fünf Punkte, im November werden gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel weitere hinzukommen“, sagt er. Dafür trainiere er hart. „Er musste sich erst an das hohe Tempo in der Bundesliga gewöhnen, in Dänemark war er nicht so gefordert“, sagt Jörn-Uwe Lommel. Wie aber erklärt der Trainer, dass Strand beim Stundenlauf als Erster im Ziel war? Lommel sagt, die Fitness von Strand möchte er erst heute nach 60 Spielminuten bewerten.

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