Sport : Ein gutes Pferd allein reicht nicht

Tim Röhn

Der Traum ist geplatzt. Der junge Reiter Matthias Rath und der als Wunderpferd gefeierte Totilas sollten in diesem Sommer olympisches Gold gewinnen. Jetzt ist der 27-Jährige am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt und hat einen Rückfall erlitten. Es wird nichts mit London und den Medaillen. Aber was waren das auch für Erwartungen?

Natürlich: An einem perfekten Tag wäre das Duo zu ganz Großem fähig gewesen. Aber wer sich darauf verlassen hat, muss größenwahnsinnig oder zumindest naiv gewesen sein. Viele ließen sich blenden vom Getöse. Das Tier berichtet auf seiner Homepage aus der Ich-Perspektive, es gibt Fanartikel aller Art, sein Samen kostet 8000 Euro. Der Niederländer Edward Gal hatte mit Totilas Weltrekorde aufgestellt, ehe das Pferd 2010 für zehn Millionen Euro nach Deutschland verkauft wurde.

Ein gutes Pferd allein reicht aber nicht. Nötig ist eine „perfekte Symbiose aus Pferd und Reiter“, wie es Ludger Beerbaum im Tagesspiegel-Interview sagte. Aber ist diese Symbiose bei Rath/Totilas überhaupt möglich? Es gibt große Unterschiede zwischen der deutschen Reitlehre und den Methoden, mit denen Gal Totilas trainierte. Dazu gehörte unter anderem die Rollkur, bei der der Reiter den Pferdekopf fest auf die Brust zieht. Nicht nur für Tierschützer ist das Tierquälerei.

Auch Matthias Rath war jahrelang dagegen. Er trainierte anders – bis er merkte, dass Totilas ohne diese Methode, die das Pferd gefügig machen soll, nicht den gewünschten Ertrag bringt. Nun wendet auch er die Rollkur an – in genehmigten Maßen, wie er verspricht. Ob das der Schlüssel zum Erfolg ist? Vielleicht sollte Rath diesen Prozess in Ruhe beobachten und sich auskurieren. Und Totilas’ Homepage erst einmal offline nehmen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben