Sport : Ein Haiku für Matsuzaka

Sebastian Moll

Was haben Baseball und Zen miteinander zu tun? Viel – wenn man dem New Yorker Dichter Cor van Heuvel glaubt. Ein ganzes Buch hat er zum Saisonbeginn in dieser Woche der tiefen inneren Verbindung fernöstlicher Philosophie und des amerikanischen Nationalsports gewidmet. In der Nähe zur Natur und vor allem im völligen Aufgehen im Hier und Jetzt, legt van Heuvel dar, seien die amerikanische Ersatzreligion und die japanische Spiritualität fast identisch. Zum Beweis hat van Heuvel Baseball-Haikus gesammelt. Darunter etwa einen Dreizeiler von Jack Kerouac, der die freudige Erwartung des ersten Baseballspiels im amerikanischen Frühling auf den Punkt bringt: „Leeres Baseballfeld. Ein Rotkehlchen. Hüpft über die Bank.“

Ähnlich drückt das Juwel des japanischen Dichters Shiki die Baseball-Euphorie vor dem ersten Krachen des harten Lederballs auf dem Holzschläger aus: „Frühjahrsbrise. Dieser Rasen weckt meine Sehnsucht. Fangen zu spielen.“

Die Boston Red Sox haben gar einen Baseball-Haiku-Wettbewerb unter Fans veranstaltet. Der Gewinner schrieb folgende Zeilen: „Eröffnungstag. Auf Schildern steht: Willkommen Daisuke. Manny fragt: Wer ist das?“

Manny – das ist der bisherige Starwerfer der Red Sox: Manny Ramirez. Daisuke Matsuzaka hingegen ist der neue Superstar des Teams, der Ramirez wohl verdrängen wird. Matsuzaka ist für 103 Millionen Dollar von den Seibu Lions an den Charles River gekommen. Man traut ihm Wunderdinge zu. Der 26-Jährige aus Yokohama soll seinen amerikanischen Kollegen durch sein einzigartiges Wurfrepertoire überlegen sein – und durch seine Ausdauer. Während US-Werfer nach spätestens sechs Innings müde werden, bringt Matsuzaka noch nach neun oder zehn Innings volle Leistung.

Matsuzaka ist die große Hoffnung der Liga. Er soll von Barry Bonds ablenken und davon, dass dieser als erwiesener Doper den ewigen Homerunrekord von Hank Aaron in diesem Jahr brechen wird. Außerdem soll Matsuzaka den Popularitätsverfall der amerikanischsten aller Sportarten aufhalten: Nur noch 13 Prozent der Amerikaner nennen Baseball als ihren Lieblingssport.

An dieser Stelle erklären die US-Korrespondenten Matthias B. Krause und Phänomene aus dem nordamerikanischen Sport.

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