Sport : Ein Handy für Harnisch

Der ehemalige Nationalspieler kehrt zurück zum Basketball – als Teammanager von Alba Berlin

Benedikt Voigt

Berlin – Henning Harnisch ist kein Freund von Mobiltelefonen. Wer den ehemaligen Basketball-Nationalspieler erreichen will, spricht auf den Anrufbeantworter seines Festnetzanschlusses. Oder er ruft seine Freundin an, die das gemeinsame Familienhandy besitzt. Henning Harnisch ruft dann zurück. „Ich habe das Gefühl, dass es manchmal kontraproduktiv ist, ständig erreichbar zu sein“, sagt der 36-Jährige. Trotzdem wird Henning Harnisch ab dem 1.Oktober öfters direkt über eine Mobilfunknummer zu erreichen sein. An diesem Tag bekommt er ein Diensthandy von Alba Berlin.

Ab dem 1. Oktober wird Henning Harnisch neuer Teammanager beim Berliner Basketball-Bundesligisten sein. Er unterschrieb einen unbefristeten Vertrag bei jenem Verein, bei dem der ehemalige Nationalspieler 1998 seine sportliche Karriere beendet hat. Zeitlich folgt Harnisch Manager Carsten Kerner nach, der Alba Berlin verlassen hat, um beruflich eine neue Richtung einzuschlagen. Harnisch erklärt jedoch: „Ich werde nicht Kerners Job machen.“ Dessen Aufgaben werden unter Vizepräsident Marco Baldi, Geschäftsführer Robert Mayer, PR–Manager Justus Strauven und Henning Harnisch aufgeteilt. Zu seinem Bereich gehören zwar auch organisatorische Aufgaben, wie eine Halle buchen oder den Spielplan abstimmen. In erster Linie aber soll er bei der Mannschaft sein und sie betreuen. „Ich werde den Basketball-Bereich stärken“, erklärt Harnisch. Sein neuer Posten ist offenbar eine Reaktion auf die vergangene Saison, als Alba mit einem zerstrittenen Team erstmals seit acht Jahren nicht den Meistertitel holte.

Harnischs Rückkehr zum professionellen Basketball mutet fast so überraschend an wie sein Abschied. 1998 hatte der bekannteste deutsche Basketballer der Neunzigerjahre unerwartet und zum Entsetzen des damaligen Trainers Svetislav Pesic seine Karriere bei Alba beendet. „Ich bin jetzt mit 30 Jahren da, wo andere mit 20 sind, wo ich einen komplett neuen Blick auf das Leben bekommen kann“, sagte er damals der Zeitung „taz“. Diesen neuen Blick hat er nun bekommen. Er studierte Film- und Kulturwissenschaften, arbeitete journalistisch unter anderem für den Tagesspiegel. Sein Studium hat er gerade abgeschlossen. „Ich muss jetzt wie alle, die Geisteswissenschaften studiert haben, sehen, was möglich ist.“ Nach sechs Jahren Studentenleben freut sich der zweifache Vater auf einen strukturierteren Tagesablauf. Zwar benötigt er sein Studium für die neue Aufgabe zunächst nicht. „Aber ich habe viele Dinge in den letzten Jahren gemacht, die mit Sport zu tun hatten, ich finde meinen neuen Schritt organisch richtig.“

Organisch richtig ist auch die Wahl des alten und neuen Vereins. „In einer anderen Stadt hätte ich das nicht gemacht.“ Dass sein langjähriger sportlicher Weggefährte Henrik Rödl als Trainer des TuS Lichterfelde in dieser Saison auch bei Alba wirken wird, hat ihn in seiner Entscheidung bestärkt. „Der Verein ist mir vertraut“, sagt Harnisch, „ich habe zu vielen ein freundschaftliches Verhältnis, das ist doch eine wunderbare Voraussetzung für eine Zusammenarbeit.“

Er will nun auch versuchen, den „Alba-Spirit“ wieder zu beleben. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit hat bei Alba zuletzt gelitten. Verdiente Leistungsträger wie Wendell Alexis, Marko Pesic und auch Trainer Svetislav Pesic besitzen inzwischen ein gestörtes Verhältnis zu ihrem ehemaligen Verein. „Es gibt keine Alba-Familie“, sagte Alexis im Frühjahr, „die Alba-Familie besteht aus Marco Baldi und dem Präsidenten Dieter Hauert.“ In Harnisch aber hat sie ein Familienmitglied zurückgewonnen.

Nach seinem Rücktritt hatte Harnisch erzählt, dass er nicht mehr in kurzen Hosen in der Sporthalle herumrennen wolle. Ab dem 1. Oktober kommt er den Männern in den kurzen Hosen wieder sehr nahe. Trotzdem sagt er: „Es ist kein Rückschritt, es ist ein Zurückkommen.“

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