Sport : Ein Hauch von Formel 2

In der Formel 1 soll alles langsamer werden

Karin Sturm

Hockenheim - Das Motorenreglement der Zukunft in der Formel 1 zeichnet sich allmählich ab: Die Hersteller sind dabei, sich auf einen gemeinsamen Vorschlag an den Motorsport-Weltverband Fia zu einigen. Die Fia verlangt, dass die Rundenzeiten um rund drei Sekunden langsamer werden als bisher. Es werden wohl die 2,4-Liter-Motoren mit acht Zylindern, die von der Fia aus Sicherheits- und Kostengründen gefordert werden, kommen. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen jedenfalls befürchtet, dass die Idee von BMW, bei Drei-Liter-Motoren und zehn Zylindern bleiben zu können, nicht zu verwirklichen ist. „Denn wir sind die Einzigen, die entschieden das Drei-Liter-Konzept vertreten. Mercedes und Honda halten das zwar auch für die bessere Lösung, wären aber wohl eventuell bereit nachzugeben“, sagt Theissen.

Die Folgen einer Reduzierung einer solchen Motorenleistung wären drastisch: nur noch 650 bis 700 PS statt bisher weit über 800. Und damit lägen die Motoren nur knapp über dem neu geplanten Formel-2-Niveau von 600 PS. „Und wir hätten sogar noch weniger Drehmoment als die“, sagt Theissen. Damit würden auch die Rundenzeiten drastisch langsamer. Und damit, sagt Theissen, würde man alles andere als eine Kostensenkung erreichen. Stattdessen gebe es erst mal eine Kostenexplosion. Erst viel später würde jeder Motor „maximal sechs oder sieben Prozent billiger als ein heutiger“. Auch viele Fans und Piloten sind nicht gerade begeistert von den Fia-Plänen.

Auch für den ehemaligen Formel-1-Piloten und heutigen Premiere-Kommentator Marc Surer ist der geplante Weg falsch: „Das ist der völlig falsche Ansatz. Das Geradeausfahren ist ja nicht so gefährlich bei der Formel 1, sondern das Fahren in den Kurven. Also muss man darauf achten, dass man die Kurvengeschwindigkeit reduziert. Und das geht mit der Aerodynamik und mit den Reifen.“ Solange Motorradfahrer auf der Geraden auf zwei Rädern 20 Kilometer schneller fahren als die Formel 1, sei Sicherheit kein Argument, um einen kleineren Motor zu fordern. Die Motorleistung zu reduzieren, sei schon deshalb falsch, „weil dadurch der Fahrer weniger gefordert wird. Mehr Motorleistung verbunden mit schlechterem Fahrverhalten würde den Fahrer mehr fordern.“ Die Ursachen für die 2,4-Liter-Tendenz sieht Surer in massiver Lobby-Arbeit: „Die Teams, die im Moment keine Top-Motoren haben, sind froh, wenn ein neues Reglement kommt. Sie rechnen sich dadurch mehr Chancen aus.“

Dass aber ausgerechnet Ferrari Wortführer der 2,4-Liter-Befürworter ist, hat nach Surers Ansicht andere Gründe: „Da wirkt auch ein Marketing-Aspekt. Ferrari hat kein Straßenauto mit Zehn-Zylinder-Motor, deshalb lässt sich dieser Motor schlecht vermarkten. Außerdem glaubt Ferrari natürlich, dass es mit seinen technischen Möglichkeiten viel schneller auf ein neues Reglement reagieren kann als die Konkurrenz.“ Aber auch deshalb, weil Ferrari über das neue Reglement früher Bescheid wusste als die Konkurrenten. Dass sich Fia-Präsident Max Mosley vorab mit Ferrari-Chef Jean Todt über die Vorschläge sprach, ist allgemein bekannt.

Fragt sich, ob eine Reglementänderung noch zu verhindern ist. Theissens einzige Hoffnung liegt in der Möglichkeit, dass sich Formel-1-Boss Bernie Ecclestone noch in die Debatte einmischen könnte. Der habe sehr dezidierte und vernünftige Vorstellungen zu dem Thema. „Er hat die bisherige Planung aber bis jetzt der Fia überlassen.“ Das Wort „leider“ hat er sich offenbar gerade noch verkniffen.

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