Sport : Ein Hauch von Tour de France

Internationale Radprofis starten Sonntag in Berlin

Matthias Klappenbach
Er kommt. Fabian Cancellara wird am Sonntag am Berliner Pro-Race-Rennen teilnehmen. Foto: Reuters
Er kommt. Fabian Cancellara wird am Sonntag am Berliner Pro-Race-Rennen teilnehmen. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Berlin - Ein paar Tage noch, dann startet das große deutsche Radrennen. Die Bayern-Rundfahrt beginnt am kommenden Mittwoch, sie ist das einzige verbliebene bedeutende Etappenrennen im Land des gefallenen Helden Jan Ullrich. Doping ist hierzulande beim Profiradsport ein großes Thema und deshalb ein großes Problem für den Sport, das Interesse und die Zahl der Rennen ist in den vergangenen Jahren stark gesunken. Doch die Talsohle für den Sport scheint durchschritten. Am Sonntag beginnt das Berliner Rennen, am Tag zuvor gibt es Kinderrennen. „Wir wollen bis 2013 in die höchste Kategorie, die World Tour“, sagt Reinald Achilles vom Veranstalter Upsolut.

Ein ehrgeiziger Plan, seit der City-Night 1998 gab es überhaupt kein Profirennen mehr in Berlin. „Wir setzen dabei wie bei unseren anderen Veranstaltungen auf die Kombination von Jedermann-Rennen und Profisport“, sagt Achilles. Am Sonntag werden erst die 13 000 Starter des Jedermann-Rennens ihre 60 oder 120 Kilometer lange Strecke in der Innenstadt hinter sich bringen, ehe die Profis um 12.40 Uhr für ihre 180 Kilometer an den Start gehen. Ein bisschen soll es wie auf den Champs-Élysées bei der letzten Etappe der Tour de France sein, wenn die Fahrer zum Abschluss acht Runden auf der Straße des 17. Juni drehen. Bis zu 300 000 Zuschauer werden erwartet, inklusive der Fans, die nach dem DFB-Pokalfinale am Samstag noch mehr Sport sehen wollen.

Wer sich von ihnen auskennt, wird einige bekannte Fahrer sehen. Bei seiner Premiere steht das Rennen zwei Klassen unter der World Tour, dennoch startet in Olympiasieger Fabian Cancellara ein Star, hinzu kommen der vor allem vom Sechstagerennen bekannte Robert Bartko sowie neue deutsche Top-Fahrer wie John Degenkolb und Marcel Kittel. „Neben der Qualität des Fahrerfeldes spielt natürlich die Medialisierung eine wichtige Rolle“, sagt Reinald Achilles. Für Spitzenfahrer soll neben der erwarteten guten Atmosphäre in der traditionsreichen Radsportstadt Berlin Renndirektor Erik Zabel mit seinen guten Kontakten sorgen, und in der Berichterstattung über den Radsport hat Achilles eine wieder „wachsende Differenzierung“ ausgemacht, hinter dem Radsport liege ein Reinigungsprozess.

Ob nun der Grund darin vor allem in einer Ermüdung hinsichtlich der Dopingproblematik bei Zuschauern und Journalisten zu suchen ist, wenn sich auch für das Jedermann-Rennen so mancher mit unerlaubten Hilfsmitteln fit macht, ist schwer zu sagen. Es ist aber damit zu rechnen, dass die Einbettung des Profirennens durch die Jedermänner funktionieren wird, bei seiner Premiere in Berlin 2008 gab es gleich 10 000 Teilnehmer. Upsolut veranstaltet in Hamburg auch die Cyclassics, Europas größtes Radrennen mit mehr als 20 000 Radlern.

Es wird immer die großen Rundfahrten und Rennen von hier nach dort geben, vielleicht liegt ein Teil der Zukunft des Radsports aber in Veranstaltungen in den Städten, wo jedermann wohnt, fährt und zuguckt, vor allem, wenn die Fahrer auf ihren Runden mehrmals vorbeirauschen.

Die mediale Beachtung wird vor allem lokal sein, schließlich läuft noch der Giro d’Italia. Der Fernsehsender Sport 1 zeigt eine einstündige Zusammenfassung des Rennens – Anfang Juni.

Das Rennen durch Berlin: Seite 13

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