Sport : Ein Hockey-Aufsteiger sucht Akzeptanz

Martin Scholz

Eigentlich wollte Oliver Holm seine kleine Schwester Kerstin nur zu ihrem ersten Hockey-Training begleiten. "Beim zweiten Training war ich schon Trainer, da der Coach Hilfe brauchte", erinnert sich der 28-Jährige. Was vor zwölf Jahren beim BSV 92 begann, hat über einen kleinen Umweg mittlerweile in die Bundesliga geführt.

Den BSV-Mädchen gelang 1996 der Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Nur ein Jahr später kam es zu Differenzen mit dem Damen-Trainer, der die jungen Talente im Frauen-Bereich nicht in dem von Holm erhofften Umfang einsetzte. "Die besseren Spielerinnen wären gegangen, die Mannschaft wäre auseinandergefallen", glaubt Holm. Er zog die Konsequenzen und wechselte mit sieben Spielerinnen zu Zehlendorf 88. "Dort gab es kein Jugendteam, aber eine gut funktionierende Regionalliga-Mannschaft." Die Neuen bildeten nicht nur eine erfolgreiche Jugend, sondern kamen auch in der Frauenmannschaft zum Einsatz. Diese belegte mit Trainer Holm drei Mal in Folge Platz zwei, ehe im Herbst der Aufstieg in die Feldhockey-Bundesliga erreicht wurde. In diesem Jahr gelang auch in der Halle der Aufstieg. Zudem errang der letztmals in der Jugend spielberechtigte Jahrgang um Junioren-Nationalspielerin Kerstin Holm noch einmal den deutschen Hallen-Titel.

Bei der am Wochenende startenden Feldsaison ist Zehlendorf 88 der vierte Berliner Verein in der acht Mannschaften umfassenden Bundesliga Süd. Der BHC ist amtierender Meister, TuS Lichterfelde und die Zehlendorfer Wespen behaupten sich nach ihrem Aufstieg in der Bundesliga auch gegen die süddeutschen Teams. Z 88 trifft zum Auftakt am Sonntag auf die Wespen, TuSLi auf den BHC. "Wir haben ein gutes Potenzial in Berlin. Die Talente verteilen sich aber auf die Vereine, so dass alle Qualitäts-Verluste haben", sagt Holm. Als Zugänge hat der Liga-Neuling daher nur drei 17-jährige Nachwuchsspielerinnen. "Es sind aber Verstärkungen, die den Leistungsdruck erhöhen. Wir haben einen ganz anderen Zug im Training", sagt der 28-Jährige. Sein Ziel ist nicht nur der Klassenerhalt: "Wir wollen uns einen Namen machen und Akzeptanz gewinnen. Nächstes Jahr sind wir dann interessanter für Zugänge." Zudem soll die Spielklasse für seine Schwester und die zweite Jugend-Nationalspielerin Colleen Schole als Sprungbrett dienen. "Früher hat es keinen interessiert, dass sie gut waren. Nun können sie sich präsentieren."

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