Sport : Ein Klassenerhalt dauert 90 Minuten

Hannover bleibt nach dem 2:2 in letzter Minute in der Bundesliga – Gladbach zittert weiter

Stefan Hermanns

Hannover. Ralf Rangnick, der Trainer von Hannover 96, tat, was die Fans von ihm gefordert hatten, und die Fans – pfiffen. Fünf Minuten waren noch zu spielen, als Rangnick den 37 Jahre alten Publikumsliebling Carsten Linke einwechselte. Die Anhänger hatten seinen Einsatz verlangt, da führte Hannover 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach. Als Linke dann aufs Feld kam, stand es 1:2. Linke ist Verteidiger. Ob er dem Liebling der Fans noch ein Abschiedsspiel vor den eigenen Fans habe zugestehen wollen, wurde Rangnick später gefragt. „Das ist ein Scherz, oder?“, antwortete er. „Mit Ehrerbietung hatte das nichts zu tun.“

Es ging nur noch darum, den Ausgleich zu erzielen. Irgendwie. Der Ball segelte nur noch hoch in die Gladbacher Hälfte, meistens köpften die Verteidiger der Borussen ihn wieder zurück. Bis zur 90. Minute. Pletsch und Asanin verloren das Kopfballduell, der Ball kam zu Jiri Stajner, der schoss, der Ball landete im Netz. „Ein Dreckstor“, sagte Borussias Verteidiger Bernd Korzynietz. „Wir waren so nah dran. Es ist zum Kotzen.“ Rangnick hingegen sah „einen Grund, sich bei höheren Mächten zu bedanken“. Zum ersten Mal habe 96 in einem Heimspiel Glück gehabt, „ein bisschen viel Glück vielleicht“. Das 2:2 sichert dem Aufsteiger einen Spieltag vor Saisonende den Verbleib in der Bundesliga. Borussia Mönchengladbach hingegen kann immer noch absteigen. Hätten die Gladbacher das Spiel gewonnen, wäre es umgekehrt gewesen. Jetzt müssen sie am nächsten Samstag gegen Werder Bremen einen Vorsprung von drei Punkten und fünf Toren auf die Arminen aus Bielefeld verteidigen, die ihrerseits gegen die bereits geretteten Hannoveraner spielen.

Ralf Rangnick sprach den ausgiebig feiernden Fans nach dem Spiel ein „Herzliches Dankeschön“ aus. „Wir haben es verdient“, sagte er. Gladbachs Trainer Ewald Lienen hatte dagegen beim Ausgleichstreffer „eine Explosion für Hannover“ erlebt.

Bis zum Ausgleich hatten die 96er in der zweiten Halbzeit keine einzige Torchance gehabt. „Ein sehr positives Auftreten“ bescheinigte Lienen seinem Team. „Wir haben leidenschaftlicher gespielt, mehr investiert.“ Forssell glich Hannovers Führung durch Kopnikovic aus, Asanin gelang vier Minuten später das 2:1. „Das haben sie gut gemacht“, sagte 96-Kapitän Altin Lala. „Ich glaube nicht, dass die absteigen.“ Lienen jedenfalls sieht „nach wie vor eine sehr, sehr gute Ausgangsposition“. Torhüter Jörg Stiel sagte: „Bielefeld und Leverkusen haben größere Probleme als wir.“ Aber Bielefeld und Leverkusen haben die leichteren Spiele. Die Gladbacher, die sechsmal in Folge nicht verloren, aber auch nur zweimal gewonnen haben, vertrauen auf ihre Heimstärke. „Zu Hause ist die Situation eh klar“, sagte Stiel. So oder so.

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