Sport : Ein Korb dem Meister

Yildiray Bastürk hatte auch ein Angebot von Werder Bremen – und entschied sich für Hertha BSC

Klaus Rocca

Berlin - Sein Outfit passte nicht so recht zu den feierlichen Mienen seiner neuen Arbeitgeber. Zum bei Fußballern offenbar obligaten Goldkettchen trug er verwaschene Jeans und ein T-Shirt – Yildiray Bastürk gab sich lässig. Und selbstbewusst. Eben wie einer, der sich seines Wertes bewusst ist. Eines Wertes, der ihm in den letzten Tagen immer wieder bestätigt wurde, weil Klubs wie Celtic Glasgow und solche aus seiner türkischen Heimat um ihn warben. Auch Werder Bremen, der Deutsche Meister. Die Aussicht, demnächst in der Champions League zu kicken, hätte für Bastürk eigentlich verlockend gewesen sein müssen. Doch er entschied sich für Hertha BSC, jenen Klub, der in der vergangenen Saison so mühsam gegen den Abstieg gestrampelt hatte. „Mir hat sehr imponiert, was Hertha vorhat“, sagte Bastürk, nachdem er beim Fußball-Bundesligisten seine Unterschrift unter den Dreijahresvertrag gesetzt hatte.

Was genau Hertha vorhat, wollte Bastürk nicht sagen, doch die Perspektive über drei Jahre war ihm offenbar mehr wert als Geld. „Wenn es ihm allein um Geld gegangen wäre, hätte er sicher nicht bei uns unterschrieben. Er hatte lukrativere Angebote“, verriet Dieter Hoeneß, Herthas Manager. Bastürk, der ablösefrei von Bayer Leverkusen kommt, soll von Fenerbahce und Werder 2,5 Millionen Euro pro Saison geboten bekommen haben. Den von Hertha offerierten leistungsbezogenen Vertrag darf man getrost niedriger einstufen.

Dabei könnte der 25-Jährige, nur 168 Zentimeter groß, der Hertha-Kasse viel Geld bescheren. Ist doch die türkische Gemeinde in Berlin riesig. „Das war ein sehr positiver Nebenaspekt dieser Verpflichtung“, sagte Hoeneß gestern bei der Präsentation Bastürks mit freudigem Blick auf die beachtliche Schar türkischer Journalisten und Kameraleute. Zur Erinnerung: 1979/80 hatte Hertha mit Engin Verel schon einmal einen Türken unter Vertrag. Hoeneß: „Ausschlaggebend waren diesmal die sportlichen Aspekte.“

Auch die sind vielversprechend. Mit seinem offensiven, quirligen, dribbelstarken Spiel erinnert Bastürk an Dariusz Wosz, der bei Herthas Fans höchst beliebt war. Über Bastürk hatte Wosz zu gemeinsamen Bochumer Zeiten noch gesagt: „Der Junge ist eine Sensation.“ Bei Hertha sieht man Bastürk nun als Ergänzung zu Marcelinho. „Wir haben doch gesehen, wie schwer Marcelinho zu ersetzen ist, wenn er mal ausfällt“, sagt Hoeneß. Anspruch auf seine Lieblingsposition, das zentrale Mittelfeld, erhebt Bastürk nicht. „Ich spiele überall im offensiven Mittelfeld.“

147 Bundesligaspiele bestritt er, in Bochum und Leverkusen, 14 Tore erzielte er dabei. Früher war er eher Torjäger. Bei den Sportfreunden Wanne-Eickel schoss er in der F-Jugend 136 Tore. „Das Ruhrgebiet ist meine Heimat“, sagte der in Herne an einem Heiligabend geborene Sohn eines türkischen Bergmanns, ehe ihn sein langjähriger Mentor Klaus Toppmöller nach Leverkusen lockte.

Für sein Heimatland hat er 35 Spiele bestritten. Darunter auch jenes vor knapp zwei Jahren, als er mit der Türkei das WM-Spiel um Platz drei gegen Südkorea 3:2 gewann. 86 Minuten durfte Yildiray Bastürk in Daegu dabei sein.

„Nun will ich neue Highlights“, sagte er gestern. Nicht beim Deutschen Meister. Bei Hertha BSC.

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