Sport : Ein Mann der leisen Tore

Dank des zuverlässigen Steve Walker sind die Eisbären dem Titel ein Stück näher gekommen

Claus Vetter

Berlin - Früher hieß die Verlängerung im Eishockey „Sudden Death“, heute heißt sie, freundlicher: „Sudden Victory“. Der plötzliche Sieger im Sportforum hieß am Donnerstag Steve Walker. Der Kapitän der Eisbären hatte nach nur 39 Sekunden der Verlängerung das Spiel der Berliner gegen die Hannover Scorpions mit seinem Tor zum 4:3 beendet und ließ sich trotz frenetisch kreischender Berliner Fans nicht zu einer Ehrenrunde bewegen. Steve Walker verschwand schnurstracks in der Kabine. In den Play-offs um die deutsche Meisterschaft werden Etappensiege nicht ausgiebig gefeiert. Dann mag Walker Brimborium um seine Person ohnehin nicht. So sprach der Kanadier von „einem Team, das nach einem 1:3-Rückstand viel Charakter gezeigt hat“ – und dank Glück und Walker nun in der nach dem Modus „Best of Five“ ausgetragenen Halbfinalserie gegen Hannover 1:0 führt.

Schon in der sechsten Saison ist Steve Walker einer der leistungsstärksten Eisbären-Profis. Der Stürmer spielt die zuverlässigsten Pässe, kann zielgenau schießen und hat, wie Klubmanager Peter John Lee sagt, „eine hohe Spielintelligenz“ und hatte bei seinem Treffer am Donnerstag auch etwas Glück: Vom Schläger des Hannoveraners Sascha Goc rutschte der abgefälschte Puck vorbei am unsicheren Torhüter Trevor Kidd ins Netz. Egal, das Tor bescherte den Eisbären den „Big Point“, wie Walker findet. „Nach dem Heimsieg liegt der Druck nicht mehr auf uns.“ Das „beste Auswärtsteam der Liga“ werde am Sonntag in Hannover alles tun, um zu gewinnen: Dann hätten die Eisbären schon am Dienstag die Chance, durch den dritten Erfolg ins Finale einzuziehen.

Schon der letztjährige Berliner Titelgewinn ist eng mit dem Namen Walker verbunden. Das zweite Finalspiel in Mannheim gewannen die Berliner nach zwei grandios erzielten Toren von Walker 4:0. „Auf Steve ist immer Verlass“, sagt Lee. „Am liebsten würde ich ihm einen Vertrag für die nächsten 25 Jahre geben.“ Das wäre nicht klug, im Januar ist Walker 33 Jahre alt geworden, bei Vertragsende wäre er dann 58. Lee lacht und sagt: „Natürlich wird Steve nicht so lange bei uns bleiben. Aber kurzfristig sieht das anders aus, schließlich fühlt er sich mit seiner Familie in Berlin wohl. Seine Kinder beschweren sich jedes Mal, wenn sie in den Sommerferien nach Kanada fahren.“

Es sind nicht allein die guten statistischen Werte, die für den Kanadier mit dem rotblonden Haar sprechen – zurzeit ist er zweitbester Scorer der Play-offs –, es ist auch seine besonnene Art, ein Team zu führen. In der Kabine wird Walker selten laut. „Aber wenn er etwas sagt, dann hören alle zu“, berichtet Lee. „Steve hat mehr an sich gearbeitet, mehr trainiert als viele andere“, sagt Lee. Das war schon in der International Hockey-League so, in der er Topscorer und Kapitän der Detroit Vipers wurde, bei denen er schon mit seinem Berliner Kollegen Stefan Ustorf zusammenspielte.

Ustorf hat Walker eines voraus : Er hat schon in der National Hockey-League (NHL) gespielt, Walker nicht. „Steve hat einfach kein Glück gehabt“, sagt der ehemalige NHL-Spieler Lee. „Wäre er in Amerika geblieben, hätte er bestimmt seine Chance in der NHL bekommen.“ Dass es nicht dazu kam, könne er verschmerzen, sagt Walker. „Schließlich ist es ja so schlecht auch nicht, wenn man Deutscher Meister werden kann.“ Zum zweiten Mal sogar nun mit den Eisbären – was dann doch einige Ehrenrunden für Steve Walker nach sich ziehen würde.

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