Sport : Ein Mann für alle Provisionen

Über Ivan Radosevics Rechnungen stolperten zwei Olympiamanager – er selbst reklamiert seriöse Arbeit

Friedhard Teuffel

Berlin. Ivan Radosevic sieht aus wie ein mächtiger Mann, manchmal lässt er seine Augen blitzen, um eine Aussage noch deutlicher wirken zu lassen. In den vergangenen Tagen schien es sogar, als sei er mächtig genug, die Leipziger Olympiabewerbung zu Fall zu bringen. Aber es war eher so, dass andere gestolpert sind. Sie sind gestolpert über Rechnungen, die Radosevic als Geschäftsführer der Beratungsgesellschaften SCI und Pentacom ausgestellt hatte. Erst war es der Geschäftsführer der Leipziger Bewerbungsgesellschaft, Dirk Thärichen, und am Freitag dann Burkhard Jung, Leipzigs Olympiabeauftragter. Jung hatte mit seiner Unterschrift Provisionszahlungen an Radosevic aus städtischen Mitteln genehmigt und über die alte Bewerbungsgesellschaft abgewickelt. Das ist nach dem Haushaltsrecht unzulässig.

Im Moment taucht daher Radosevics Name ständig im Zusammenhang mit der Leipziger Olympiakrise auf. „Viele suchen die Ursachen für die Krise. Bei mir werden sie die nicht finden“, sagt Radosevic. Er habe nur seine Arbeit gemacht. Zum Beispiel habe er für Provisionen in Höhe von knapp 150 000 Euro Sponsoren der Leipziger Olympiabewerbung unter anderem Werbebanden bei Sportveranstaltungen zur Verfügung gestellt. Eine Veranstaltung war das Leipziger Grand-Prix-Turnier der Tennis-Damen, dessen Direktor Radosevic ist. Der Preis sei gerechtfertigt: „Bei den German Open in Berlin hätte man für solche Banden das Dreifache zahlen müssen“, sagt Radosevic.

Ob er nach Jungs Rücktritt schon mit ihm gesprochen habe, wollte Radosevic nicht sagen und auch nicht, ob er in den vergangenen Monaten mit dem Aufsichtsrat der Olympia GmbH in Verbindung stand. Mit der Bewerbungsgesellschaft ist Radosevic zurzeit nicht in Kontakt. Es ist schließlich noch eine Rechnung über 65 000 Euro offen. Diese Forderung hat Radosevic in ziemliche Schwierigkeiten gebracht, als eine Zeitung veröffentlichte, wofür Radosevic diese Summe verlangt hatte. Unter anderem für „drei Stunden Nichtstun“. Dazu erklärt der Sportmanager: „Ich sollte zu einer Präsentation der Bewerbungsgesellschaft kommen. Aber es war keiner da. Ich hätte auch drei Stunden Warten schreiben können.“

Dass Radosevic davon profitierte, dass der Olympia-Geschäftsführer Dirk Thärichen früher für ihn gearbeitet hatte, sieht Radosevic nicht als Problem: „Andere Leute bringen auch ihre vertrauten Partner mit.“ Außerdem hätten andere Agenturen über einflussreiche Politiker versucht, an Aufträge zu kommen. Hinter den Medienberichten über die Krise der Leipziger Bewerbung vermutet er „eine bös gemeinte Irreführung der Öffentlichkeit“. Radosevic rätselt auch über das Verhalten des Aufsichtsrates: „Ich hätte als Aufsichtsrat die Leute wie Thärichen sofort zitiert und gefragt, was es mit welcher Rechnung auf sich hat.“

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