Sport : Ein mysteriöser Rausschmiss

Karlsruhes Trainer Stefan Kuntz muss gehen – nach sechs Spielen. Warum, weiß er nicht.

NAME

Von Oliver Trust

Karlsruhe. Am Ende muss es wohl die blanke Verzweiflung gewesen sein im verregneten Karlsruhe. Sitzung am Sonntag. Mehrere Biere zur Frustbewältigung, so wird aus Präsidium und Aufsichtsrat berichtet. Sitzung am Montag, Sitzung am Dienstag. Erst der übliche Treueschwur gegenüber dem Trainer, dann keimten die Zweifel auf. Der Trainer musste antanzen, um sein Krisenkonzept zu präsentieren. Dann die Entlassung des Trainers. Das war gestern.

Stefan Kuntz, so sagt er selbst, war einigermaßen überrascht, als man ihm am Mittwochmorgen mitteilte, man wolle ihn als Coach des Fußball-Zweitligaklubs Karlsruher SC nicht mehr haben. Mit ihm musste auch sein Assistent Frank Lelle gehen. Als Nachfolger sind Lorenz Günther Köstner und Ex-Nationalspieler Wolfgang Rolff im Gespräch. Vorerst wird Marco Pezzaiuoli aus dem Trainerstab des KSC die Mannschaft übernehmen. Er wird beim Auswärtsspiel in Ahlen am Wochenende auf der Bank sitzen.

„Ich bin schon überrascht und verwundert, dass man uns kein Vertrauen mehr geschenkt hat. Und das nach erst sechs Spielen der Saison“, sagt Stefan Kuntz. Er habe erwartet, dass er ein gutes Drittel der Saison Zeit bekomme, um die Mannschaft aus dieser Situation zu befreien. Er sagt: „Bis heute Morgen habe ich mich mit dem kommenden Spiel in Ahlen beschäftigt.“ Er habe die schwierige Situation des finanziell stark angeschlagenen Klubs akzeptiert und „versucht, das Beste daraus zu machen". Wer im Kader Spieler stehen habe, die null bis 40 Zweitligaspiele an Erfahrung mitbringen, der muss „sich darauf einstellen, dass es schwierig wird".

Kuntz hatte die Badener im Juni 2000 übernommen und sie aus der Regionalliga zurück in die zweite Liga geführt. „Wir haben trotz der Lage den Klassenerhalt geschafft. Die Bilanz fällt nicht schlecht aus. Die Mannschaft ist konditionell auf der Höhe. Eigentlich gibt es keine richtigen Gründe für meine Entlassung", sagt Kuntz.

Hintergrund des Rausschmisses dürfte die Einfluss von Sponsoren und potenzieller Geldgeber sein. Es war deshalb auch schon zu einem Streit zwischen dem Übergangspräsidenten Gerhard Seiler und Sportdirektor Rolf Dohmen gekommen. Während Seiler Geldgebern ein Mitspracherecht einräumen wollte, hatte sich Dohmen erbittert dagegen gewehrt.

Weiter dürfte eine Rolle gespielt haben, dass der seit Jahren durch Turbulenzen in der Führungsetage geschüttelte KSC am Donnerstag wieder einmal eine brisante Jahreshauptversammlung wird durchleben müssen. Dort soll dem ehemaligen Präsidenten Detlef Dietrich die Entlastung verweigert werden. Der Klub will daraus, so der Plan, möglicherweise einen Versicherungsfall konstruieren, um von der Versicherung Geld einzustreichen.

Händeringend sucht der KSC seit Jahren einen Ausweg aus der finanziellen Misere. Jetzt soll ein Vermarkter einsteigen und den Klub mit Geld versorgen. Im Präsidium des hochverschuldeten Vereins (5,5 Millionen Euro Minus) wird trotz der prekären Lage über ein teures neues Stadion und die Umwandlung der A-Jugend sowie der Amateur- und Lizenzspielerabteilung in eine Kommanditgesellschaft nachgedacht.

Der neue Trainer soll wegen der leeren Kassen und der strengen Auflagen der Deutschen Fußball-Liga von einem Sponsor bezahlt werden.

„Ich glaube nicht, dass die schwierige Lage des Vereins dem Trainerteam anzulasten ist", sagt Stefan Kuntz. „Wir waren die Ersten, die auf Geld verzichtet haben.“ Er wolle zusammen mit Lelle auf jeden Fall im Geschäft bleiben und, „wenn die Wunden geheilt sind", an eine neue Aufgabe gehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben