Sport : Ein Platz bleibt frei

Rudi Völler gibt sein EM-Aufgebot bekannt – der junge Stürmer Lukas Podolski wird wohl nachrücken

Michael Rosentritt

Berlin - Rudi Völler nestelte einmal kurz in der rechten Tasche seines Jacketts herum und ließ dann doch alles beim Alten. Kahn, Jeremies, Nowotny, Klose – die altbekannten Nationalspieler werden mit zur Europameisterschaft (12. Juni bis 4. Juli) fahren. Die jungen Aufsteiger der Bundesligasaison, der Kölner Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern, wurden vom Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nicht nominiert. Seit gestern stehen 22 Namen fest, „einen Spieler werden wir aus der U-21-Nationalmannschaft noch berufen“, sagte Rudi Völler. Am 2. Juni endete die Meldefrist des endgültigen EM-Kaders bei der Uefa.

Rudi Völler hält sich eine kleine Hintertür offen. „Im Moment hat Lukas die besseren Chancen, weil er uns positionsbedingt helfen könnte“, sagte Völler. Podolski, der Stürmer, wird erst an der U-21-EM (27. Mai bis 8. Juni) teilnehmen und soll sich dort für eine spätere Berufung in die A-Auswahl anbieten. „Das habe ich bewusst gemacht. Ich will noch mal Reize schaffen“, sagte Völler. „Sehr wahrscheinlich wird er dort besser getestet als in unseren Testspielen, wo er über Kurzeinsätze nicht hinaus käme.“ Der Teamchef möchte gern fünf Angreifer mit zur EM nehmen. Neben Miroslav Klose, Kevin Kuranyi und Fredi Bobic nominierte er gestern etwas überraschend Thomas Brdaric von Hannover 96 als vierten Stürmer. „Er hat eine überragende Rückrunde gespielt. Die Art und Weise, wie er seine Tore erzielt, hat mir gefallen. Er ist schnell und beidfüßig“, sagte Völler. Der 29-jährige Brdaric bestritt bisher ein Länderspiel vor zwei Jahren. Nicht berücksichtigt wurde der formschwache Leverkusener Oliver Neuville.

Nach dem 1:5-Debakel gegen Rumänien vor wenigen Wochen war die Diskussion um die personelle Besetzung des Kaders neu entfacht worden. Viele hatten die Nominierung von Schweinsteiger und Podolski gefordert. „Podolski und Schweinsteiger würden Holland mit Sicherheit nicht im Alleingang schlagen. Ich würde aber beide mitnehmen, sie aber nicht von Anfang an spielen lassen“, hatte beispielsweise Uli Hoeneß gesagt. Völler verdeutlichte gestern seinen Standpunkt: „Jung, jung, jung – diese Hysterie mache ich nicht mit. Es ist schön, dass wir solche Spieler mit solchem Potenzial haben. Aber klar ist auch, dass wir die richtige Mischung in unserem Aufgebot haben müssen.“ Ohne erfahrene Spieler könne man bei einem Turnier nicht gegen die großen Gegner bestehen.

Im Wesentlichen vertraut der Teamchef dem Stammpersonal (zehn Vizeweltmeister) der vergangenen Jahre. Die Philosophie, die dahinter steckt, ist eindeutig. Wie bei der WM vor zwei Jahren, als Deutschland erst im Finale bezwungen werden konnte, will Völler ein Team formen, das „schwer zu schlagen ist“. Die Franzosen seien durch ihre spielerische Klasse allen etwas enteilt, aber die anderen Nationen „werden sich noch umschauen“, sagte Völler. Der Teamchef setzt dabei auf sein WM-Mittelfeld mit Hamann, Frings, Schneider und Ballack. Gegen spielstarke Mannschaften, wie Deutschlands ersten Vorrundengegner Holland, wird Völler vermutlich einen der beiden defensiven Mittelfeldspieler Fabian Ernst oder Frank Baumann einsetzen. Die Bremer, die am Sonnabend das Pokalendspiel bestreiten, werden später zum Nationalteam stoßen. Im Tor ist Kahn gesetzt, auf den Außenbahnen werden die jungen Stuttgarter Hinkel und Lahm spielen, stürmen dürften Klose und Kuranyi. Am Dienstag beginnt im Schwarzwald ein zweiwöchiges Trainingslager. Die Testspielgegner heißen Malta, Schweiz und Ungarn. Am 9. Juni wird das Team nach Portugal fliegen. „Wir wollen topfit, hoch motiviert und konzentriert an den Start gehen“, sagte Völler, der von einem guten Abschneiden seiner Mannschaft überzeugt ist, obwohl die Konkurrenz schöner spielt. Fußball sei interessanter als die Formel 1, sagte Völler. „Es gewinnt eben nicht immer der Beste.“

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