Sport : Ein Rekord wird zur Nebensache

Der FC Bayern München feiert nach dem bescheidenen Sieg über Hannover nur die eigene Ewigkeit

Günter Klein

München - Am Abend nach dem 1:0-Sieg bekamen die Spieler des FC Bayern aufgezeigt, dass es für sie noch ein weiter Weg zur Ewigkeit ist. In einem Hotel wurde die letzte Etappe des Feiermarathons zu Franz Beckenbauers 60. Geburtstag absolviert, „familiärer Rahmen“ stand auf der Einladung, aber dann standen doch an die 40 große Tische im Ballsaal. Man hatte ihn ländlich hergerichtet: Auf der Bühne stand eine Almhütte, die Wand zierte ein 30 Meter langes Panorama des Wilden-Kaiser-Massivs aus Beckenbauers Wohnort Going in Tirol. Der Jubilar sollte einen Blick haben wie von zu Hause aus. Er ist die Figur des Vereins. „33 Titel hat er mit Bayern in seinen verschiedenen Funktionen gewonnen“, rechnete Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge vor. Der FC Bayern schwelgte in seiner Geschichte.

Die Mannschaft saß weit hinten im Saal und wurde vom Conferencier nur mit einem Nebensatz für ihre Leistung bedacht. Dass 14 Bundesligaspiele in Serie gewonnen worden waren, das sei doch „mal ’nen Applaus wert“. Der kam – aber nur pflichtgemäß, nicht donnernd.

Es ist den MünchnerVerantwortlichen nicht unrecht, dass das Licht weggelenkt wird vom aktuellen und erfolgreichen Team. Manager Uli Hoeneß monierte, dass die Spieler schon anfangen würden zu glauben, „was in den Medien geschrieben und gesagt wird, wie toll sie sind“, und Trainer Felix Magath erkannte die Gefahr, dass die Ergebnisse für Zufriedenheit sorgen. „Wir müssen unsere Erfolge hinterfragen“, forderte er. Es ist nicht so, dass er Siege mit Schönheitspreis und Spektakel einfordert, doch er hätte sie gerne souveräner. „Das können wir von Juventus oder Milan lernen: Wie sie das 1:0 vorlegen, das Spiel dann souverän kontrollieren, den Gegner laufen lassen und vielleicht noch ein Tor nachlegen.“ Beim 1:0 gegen Hannover stimmte nur der erste Punkt: das frühe Tor. Danach brachten die Münchner nichts mehr zuwege.

Morgen in Frankfurt können die Bayern ihren 15. Bundesliga-Sieg in Serie landen. Die Anreize sind: den eigenen Rekord gleich zu überbieten und zu zeigen, dass es auch ohne Michael Ballack geht. Der Einsatz des am Sprunggelenk lädierten Nationalspielers ist unwahrscheinlich. Die Schmucklosigkeit des 1:0 über Hannover wollte Magath nicht in Zusammenhang mit Ballack stellen: „Wir haben ohne Ballack schon gute und mit ihm auch schlechte Spiele gehabt.“

Ein Serienende in Frankfurt oder am Samstag gegen Hamburg wäre zwar ein Aufreger (wie immer, wenn Bayern nicht gewinnt), doch kommende Woche ist der Verein wieder mit seiner Nostalgie hinreichend beschäftigt. Der nächste runde Geburtstag eines verdienten Mannes steht an: Karl-Heinz Rummenigge wird am Sonntag 50.

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