Sport : Ein Rennen, zwei Sieger

Der Franzose Bourdais gewinnt die „German 500“, aber Alessandro Zanardi bekommt im Champ Car die Ovationen

Hartmut Moheit

Es klingt unglaublich, aber 68 000 Fans auf dem Eurospeedway Lausitz sind glaubwürdige Zeugen: Alessandro Zanardi fuhr auf dem Ovalkurs seine beste Runde in 37,487 Sekunden. Diese Zeit allein mag dem Laien noch nichts sagen. Wenn er aber erfährt, dass der Italiener damit bei den „German 500“ auf Startposition fünf gestanden hätte, dürfte selbst der Nicht-Fachmann nur ungläubig und voller Bewunderung den Kopf schütteln. Denn es war jener Zanardi, der vor 20 Monaten auf derselben Strecke nach einem Unfall beide Beine verloren hatte.

Für den 36-Jährigen war extra das Rennauto mit seiner Nummer 66 sowie in den weiß-weinroten Farben von einst lackiert worden. Mit der Hand konnte Zanardi kuppeln, schalten und Gas geben, das Spezial-Bremspedal bediente er mit einer Beinprothese. Als der 36-Jährige nach 13 Runden, jene 13, die ihm 2001 bei seinem Unfallrennen noch bis zur Zielflagge gefehlt hatten, um 13.41 Uhr aus dem Cockpit kletterte, kannte der Jubel keine Grenzen. Wie bewegend dieser Moment vor allem für den zweimaligen Champ-Car-Champion und ehemaligen Formel-1-Fahrer Zanardi war, wurde erst beim Start zum eigentlichen Hauptereignis des Tages, den „German 500“ über 154 Runden, deutlich. Nicht mit der traditionellen Formel „Gentleman, start your engine“ schickte er das Feld auf den Kurs, sondern mit: „My friends, start your engines.“

„Ich habe die Fahrt genossen, aber das war der Abschluss für mich als professioneller Rennfahrer. Ich habe eine tolle Frau, Superkinder, und die will ich nicht verlieren“, sagte Zanardi hinterher, der die von der US-Cart-Serie überwiesene Prämie für seinen letzten Rennfahrer-Auftritt auf sein Stiftungs-Konto für bedürftige Kinder überweisen möchte.

Das Rennen, bei besten Bedingungen und diesmal ohne einen schlimmen Zwischenfall, stand dann im Zeichen des Franzosen Sebastien Bourdais. Sechs Tage nach seinem Sieg im englischen Brands Hatch fuhr er knapp knapp vor den beiden Mexikanern Mario Dominguez und Michel Jourdain Jr. über die Ziellinie. Der Formel-3000-Europameister des Vorjahres hatte im Lola-Ford nur 94 Tausendstelsekunden Vorsprung gegenüber Dominguez. Der Brillenträger Bourdais aus Le Mans hatte als Trainingsschnellster das Rennen von der Poleposition aufgenommen.

Im fünften von 19 Saisonrennen konnte auch auf dem Eurospeedway Lausitz der routinierte Kanadier Paul Tracy nicht überzeugen. Im 13. Jahr als Champ-Car-Fahrer profitierte der 34-Jährige in der Gesamtwertung nach fünf Läufen letztlich davon, dass er die ersten drei Rennen gewonnen hatte. Trotz seines nur zwölftes Ranges auf dem Lausitzring bleibt Tracy in der schnellsten Motorsportserie der Welt, in der kein deutscher Fahrer ein Cockpit bekommen hat, auf dem ersten Platz. Gemeinsam mit dem Brasilianer Bruno Junqueira hat er 66 Punkte auf seinem Konto.

So überragend die Leistung des Champ-Car-Neulings Bourdais auch war, die Ovationen, die er erhielt, waren weitaus geringer als die für Zanardi. Bei dem hatten sich die Fans auf den Tribünen erhoben und rhythmisch Beifall gespendet, der fast das Röhren des 750-PS-Motors in den Hintergrund gedrängt hatte. Die „German 500“ hatten eigentlich zwei Sieger.

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