Sport : Ein Sieg gegen sich selbst

Sven Ottke gewann auch seinen letzten Kampf

Michael Rosentritt

An gleicher Stelle stand vor ziemlich einem Jahr die Würdigung Sven Ottkes als Berlins Sportler des Jahres 2003. Das war er auch schon 1989, 90, 91, 99 und 2002. Ottke wurde in all den Jahren deswegen mit überwältigender Mehrheit gewählt, weil er gut und erfolgreich boxte, weil er Titel bei den Amateuren und später bei den Profis sammelte. Er wurde dafür auserwählt und geehrt, weil er trotz des Ruhmes und des vielen Geldes immer der geblieben ist, der er war. Er blieb authentisch in dem, was er tat und was er sagte. Sein Lachen blieb echt. Die Maxime des schnellen Technikers war: „Was nutzt mir die Kohle, wenn ich eines Tages nicht mehr weiß, wie ich heiße?“ Ottke hatte 33 Profikämpfe, davon 20 als Weltmeister gewonnen. Doch sein schwerster Kampf stand noch bevor – der gegen sich selbst.

Diesen Kampf, den 34., hat Sven Ottke am 27. März dieses Jahres bestritten und gewonnen. Es war sein letzter. Dann war „Schicht im Schacht“, wie er zu sagen pflegt. Gleich nach dem Kampf sagte er: „Alles nicht so einfach. Ihr wisst, was jetzt kommt. Ich habe gesagt, dass ich in Magdeburg aufhöre. Das tue ich jetzt hiermit.“ Mit seinem Abschied hat er alle überrascht. Seinen Manager, der bereits die Waldbühne für eine Abschiedsgala mit Phil Collins als Entertainer reserviert hatte, und seine Frau Gabi, die sich den Rücktritt so sehr gewünscht hatte. Auch sie wusste nichts, und war deswegen „ganz schön angezickt“, wie Ottke erzählte. Noch in der Boxhalle bedankte er sich bei seinem ebenso wenig eingeweihten Trainer Wegner mit einem Cabriolet als Geschenk. Es war ein großer Abgang eines ungeschlagenen Boxers. Vor allem war es der Abgang eines Wessis, der es zum Liebling der Ossis gebracht hatte.

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