Sport : „Ein Spitzenteam wird man nicht so schnell“

Handball-Nationalspieler Christian Zeitz über Deutschlands WM-Chancen und seine Rolle im Team

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Herr Zeitz, wie steht es um die deutschen Handballer bei der WM?

Wir sind ganz zufrieden, der Start mit 6:0 Punkten ist geglückt.

Sie sind tatsächlich zufrieden?

Na ja, erst einmal zählt doch nur der Erfolg. Irgendwie passt man sich doch immer auch dem Niveau des Gegners an. Unser Trainer war ja trotz der drei Siege mit unseren Leistungen nicht ganz so zufrieden.

Kann man sich trotzdem auf große Spiele der Deutschen gegen die starken Mannschaften freuen?

Wir geben uns die größte Mühe.

Halten Sie es denn für möglich, dass die deutschen Handballer sogar Weltmeister werden können?

Ehrlich gesagt, bei mir klappt es bisher beim Aufwärmen vor dem Spiel besonders gut, da bin ich schon Weltmeister. Aber mal ernsthaft: Erwarten Sie, dass ich sage, wir werden gegen diesen oder jenen Gegner verlieren?

Nein, aber Sie spüren doch bestimmt den gravierenden Leistungsunterschied zwischen dem Team bei den Olympischen Spielen, das Silber holte, und der jungen Mannschaft heutzutage.

Ja, klar. Dort war ich der Mann hinter Volker Zerbe. Jetzt spüre ich den Druck, ein Führungsspieler sein zu müssen.

Der sind Sie doch auch beim THW Kiel.

Ob ich für Kiel oder für Deutschland spiele, das ist ein riesengroßer Unterschied. Das fängt schon mit der Hymne vor dem Spiel an, da geht einem so viel durch den Kopf.

Beispielsweise auch, was der deutschen Mannschaft in Tunesien an Klasse fehlt?

Unser Trainer Heiner Brand weiß doch, was jeder von uns kann. Aber zum Spitzenteam wird keine Mannschaft von heute auf morgen. Wir werden aber in jedem Spiel darum kämpfen.

Wer fehlt Ihrer Mannschaft besonders?

Torhüter Henning Fritz. Denn der auch mal einen scheinbar unhaltbaren Wurf abwehren. Und im Angriff wären wir mit Daniel Stephan und Markus Baur als Mittelmann bestimmt stärker als wir es jetzt sind.

Was für ein Typ Handballer sind Sie?

Privat bin eher ein ruhiger Typ, der gerne im Hintergrund bleibt. Ganz anders als Stefan Kretzschmar. Trotzdem finde ich sein Auftreten in Ordnung. In der Halle bin ich ein Instinkthandballer, ich gehe dahin, wo es wehtut.

Dann kommt auf Sie bei dieser WM noch einiges zu: gegen Norwegen, Serbien-Montenegro und dann in der Zwischenrunde gegen Kroatien, Spanien und Schweden.

Davor habe ich keine Angst. Die ganze Mannschaft, die ja noch jung ist, wird sich steigern und dabei viel lernen. Wir haben jedenfalls das Ziel, mit 10:0 Punkten die Vorrunde abzuschließen. Wer redet dann noch über das schwache Spiel gegen Brasilien?

Selbst Norwegen, der nächste Vorrundengegner ihrer Mannschaft, gilt inzwischen als Spitzenmannschaft.

Ja, das stimmt. Aber die Spieler kennen wir fast alle aus der Bundesliga, ich sehe das optimistisch für uns.

Und wenn Sie die folgenden fünf Spiele verlieren, was manche befürchten...

...daran denke ich keine Sekunde.

Auch nicht insgeheim? Denken Sie nicht mit Wehmut an die alte Truppe, die bis Olympia so erfolgreich war?

Vielleicht später wieder, aber nicht bei dieser WM in Tunesien.

Hat Deutschlands Abschneiden Einfluss auf Ihre persönliche Karriere?

Ja. Es hat großen Einfluss auf mein Selbstbewusstsein und damit gleichzeitig auch auf meinen Verein, den THW Kiel. Gleich nach der WM kommen mehrere wichtige Spiele auf uns zu.

Das Gespräch führte Hartmut Moheit.

Christian Zeitz, 24, ist Rückraumspieler der Handball-Nationalmannschaft, mit der er 2003 Vizeweltmeister und 2002 Vizeeuropameister wurde. Er spielt beim THW Kiel in der Bundesliga.

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