Sport : Ein Sponsor spielt vor

Der Versuch von Konzernen, sportliche Belange im Profifußball zu bestimmen, stößt auf heftige Kritik

Robert Ide,Friedhard Teuffel

Berlin - Werner Hackmann kommt die Sache irgendwie bekannt vor. Vor fünf Jahren sollte er als Präsident des Hamburger SV abgesetzt werden, auf einer Mitgliederversammlung wurde Stimmung gegen den Fußballfunktionär gemacht. Später stellte sich heraus, dass die Provokateure von der Ufa bestellt waren, dem Vermarkter des Vereins. „Damals hatten viele befürchtet, dass die Geldgeber die Macht in den Klubs übernehmen“, erzählt Hackmann, inzwischen Präsident der Deutschen Fußball-Liga. „Jetzt gibt es wieder diese Befürchtung.“

In der Tat haben sich in den vergangenen Tagen Meldungen gehäuft, dass Geldgeber immer stärker in das operative Geschäft der Profivereine eingreifen. Beim Karlsruher SC hat Hauptsponsor EnBW zuerst den Rücktritt des gerade verpflichteten Trainers erzwungen, bei Energie Cottbus wollen Sponsoren dringend benötigte Zahlungen nur unter der Bedingung vorziehen, dass Manager Klaus Stabach entlassen wird. Die Verbände haben gegen Einflussnahmen dieser Art kaum eine Handhabe. „Das ist eine Grauzone, für die es keine Regelungen seitens der Liga gibt“, sagt Hackmann. Die Vereine müssten ihren Sponsoren Paroli bieten und sich eine Einmischung in sportliche Fragen verbieten. Diese Forderung erhebt auch Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). „Die Grenze ist erreicht, wenn Sponsoren sportliche Fragen entscheiden und dabei demokratisch gewählte Vereinsorgane umgehen“, sagte Zwanziger dem Tagesspiegel. Sponsoren dürften im operativen Geschäft durchaus beratend tätig sein, aber: „Es kann nicht sein, dass etwa unser DFB-Sponsor Daimler-Chrysler die Aufstellung von Jürgen Klinsmann bestimmt.“ Die Vorfälle in Karlsruhe, wo EnBW zumindest mit Billigung von Vorstandschef Utz Claassen den neuen Trainer des KSC öffentlich demontierte, findet Zwanziger „sehr bedenklich“. Der DFB-Präsident gibt deshalb die Parole aus: „Wehret den Anfängen!“

Ganz am Anfang der Vermischung von Sponsoring und Sport steht der deutsche Fußball freilich nicht. Beim VfL Wolfsburg besitzt VW 90 Prozent der Anteile, der Konzern hat das neue Stadion gebaut und stellt sechs von elf Mitgliedern des VfL-Aufsichtsrats. Die Entlassung von Manager Peter Pander vor drei Monaten soll auch auf Drängen von VW zu Stande gekommen sein, berichteten Insider. Pander sagte dazu: „Lassen wir das Thema.“

Besonders eng ist die Verflechtung bei Bayer Leverkusen. Schon im Namen wird erkennbar, dass der Verein zum Konzern gehört. Dennoch sagt Bayers Sportbeauftragter Meinolf Sprink: „Unsere Fußballabteilung ist eine Tochtergesellschaft, die selbstständig arbeitet.“ Sprink selbst bezeichnet sich als „Verbindungsmann“ zum Verein. „Über wesentliche Entwicklungen der Fußballabteilung wollen wir im Bilde sein“, sagt Sprink, „aber ich würde Trainer Klaus Augenthaler nie eine Freistoßvariante vorschlagen.“ Einen Vergleich zu Karlsuhe findet Bayers Sportsmann nicht zulässig. „Ich heiße nicht Claassen“, sagt Sprink.

Den Einfluss des Kapitals hat auch Borussia Dortmund zu spüren bekommen. Seitdem der Finanzspekulant Florian Homm Mehrheitsaktionär beim einzigen börsennotierten Fußballklub in Deutschland ist, unternahm er mehrere Versuche der Beeinflussung. Erst forderte er öffentlich einen Trainertausch. Dortmund solle doch einen Coach wie Bielefelds Uwe Rapolder einstellen. Dann forderte er Sportdirektor Michael Zorc zum Gehaltsverzicht auf. Inzwischen kann Homm auch zwei Sitze im Aufsichtsrat beanspruchen, die mit von ihm ausgewählten Kandidaten besetzt werden. Der Entscheidungsspielraum für den mit 119 Millionen Euro verschuldeten Klub scheint immer geringer zu werden.

Aus dem Klammergriff des Geldgebers hat sich inzwischen Hertha BSC befreit. Die Ufa investierte in den Neunzigerjahren Millionen in den Verein und ließ sich dafür Einfluss vertraglich festschreiben, etwa die Benennung von Mitgliedern des Aufsichtsrates. „Inzwischen haben wir eine vertragliche Basis, die eine partnerschaftliche Zusammenarbeit möglich macht. Vorher war es eine Abhängigkeit“, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß. Auch im Abstiegskampf der vergangenen Saison habe sich kein Sponsor in die Vereinspolitik eingemischt. Dass ein Sponsor weiß, was im Verein vor sicht geht, steht für Hoeneß außer Frage. Ebenso, dass der Sponsor über den Aufsichtsrat oder den Wirtschaftsrat eingebunden werden könne. „Einflussnahme zu erkaufen, ist aber der falsche Weg. Das schadet Verein und Sponsor.“

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