Sport : Ein Sport wird zu alt

Der Deutsche Tennis-Bund hat viele Ideen – bisher gibt es Probleme mit Geld und der Bequemlichkeit

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Wachablösung. Georg von Waldenfels (rechts) tritt als DTB-Chef ab, Karl Georg Altenburg übernimmt den Posten. Foto: dpa
Wachablösung. Georg von Waldenfels (rechts) tritt als DTB-Chef ab, Karl Georg Altenburg übernimmt den Posten. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Das Projekt Hoffnung läuft auch unter dem Namen „Midcourt“. Kindgerechtes Tennis. Das Feld ist 2,90 Meter kürzer als üblich, die Bälle sind druckreduziert und langsamer als normale, der Aufschlag ist auch von unten erlaubt. Kinder sollen leichter ans Tennis herangeführt werden. Das Projekt hatte der Deutsche Tennis-Bund (DTB) vor ein paar Jahren eingeführt, der Landesverband Berlin-Brandenburg hat 2011 erstmals Verbandsspiele in der Altersklasse U 10 ausgerichtet. 56 Teams haben gemeldet. „Es hätten mehr sein können“, sagt ein Verbands-Funktionär. „Einige Vereine wollen Midcourt nicht. Denen ist es zu aufwendig, Kinderspielfelder aufzuziehen. Obwohl das nur fünf Minuten dauert.“

Manchmal scheitert eine gute Idee eben an Details. Der neue DTB-Chef Karl Georg Altenburg weiß schon, warum er sagt: „Wir werden nicht über Nacht unsere Ideen umsetzen können.“ Aber irgendwann muss es passieren. Altenburg will ja „die Marke Tennis in neuem Glanz erstrahlen lassen“.

Schön gesagt. Und wie? Durch eine „bessere Ansprache der Kinder und Jugendlichen“, sagt Altenburg. „Warum gehen wir nicht zu ihnen auf die Straße und auf die Partys?“ Und Carl-Uwe Steeb, der neue DTB-Sportwart, will Schule und Sport besser verzahnen. „Auch der Übergang zwischen Schul- und Leistungssport muss noch verbessert werden.“ 9000 Tennisvereine gibt es bundesweit, ihnen brechen die Mitglieder weg. 1,5 Millionen sind es derzeit noch, viele dem Rentenalter nahe. „Mein Traum sind viele Kinder auf dem Platz“, sagt Altenburg.

Aber diverse Vereine sehen sich wohl gar nicht als Notstandsgebiete. Die Verbände Hamburg und Württemberg haben 205 Vereine befragt, das Ergebnis ist für die Auswerter ernüchternd: „Die Vereine haben Probleme mit der Bindung und Gewinnung von Mitgliedern, von ehrenamtlichen Mitarbeitern und jugendlichen Leistungssportlern. Es ist erstaunlich, dass nur wenige Vereine die Probleme als existenzbedrohend einstufen.“

Noch ernüchternder sind allerdings die Finanzen, im DTB und in vielen Landesverbänden. Der Verband Berlin-Brandenburg kann sich für den Jugendbereich zum Beispiel nur 1,5 Trainerstellen leisten, und der DTB muss die Mitgliedsbeiträge erhöhen, um eine Lücke im Etat 2012 zu stopfen.

Aber diese Lücke ist nichts gegen das Loch, das dem DTB durch ein Urteil in den USA droht. Der DTB streitet vor einem Gericht in Philadelphia mit der Männer-Profiorganisation ATP. Es geht um die Kosten für das verlorene Verfahren um die Rückkehr des Hamburger Turniers in die Top-Kategorie der ATP-Turniere. Am Donnerstag ist die nächste Anhörung, im schlimmsten Fall müsste der DTB rund 15 Millionen Euro bezahlen.

Die Marke Tennis möchte Altenburg besser vermarkten, gut möglich, dass der Regionalligaspieler des TC Oberursel sich und seine Juristen bald mit der Insolvenz jenes Verbands beschäftigen muss, den er gerade erst übernommen hat.

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