Sport : Ein Tick zu wenig

Der FC Bayern kommt beim Hamburger SV nicht über ein 1:1 hinaus.

Frank Heike[Hamburg]
Der Rekordmeister strauchelt. Thomas Müller (l.) und der FC Bayern mussten sich beim HSV mit einem Punkt begnügen. Foto: dpa
Der Rekordmeister strauchelt. Thomas Müller (l.) und der FC Bayern mussten sich beim HSV mit einem Punkt begnügen. Foto: dpaFoto: dpa

Es war ziemlich viel „einerseits, andererseits“ in der Spielbeurteilung des FC Bayern. Das Gefühl nach dem 1:1 (0:1) der Münchner beim Hamburger SV am Samstagabend war nicht schlecht; Arjen Robben beispielsweise sprach von einer deutlichen Steigerung im Vergleich zu den ersten beiden Rückrundenspielen: „Wir machen uns keine Sorgen. Wir waren besser als zuletzt“, sagte der niederländische Angreifer. Das war das einerseits. Andererseits ließen die Bayern durch das Remis beim HSV Punkte liegen und Borussia Dortmund vorbeiziehen – Rang zwei, im Selbstverständnis des Rekordmeisters ein Unding. Robben sagte: „Es fehlt nicht viel in unserem Spiel, es ist nur ein Tick. Aber genau sagen, was es ist, kann ich auch nicht.“

Dieser Tick könnte die fehlende Leichtigkeit sein. Oder: die Leichtigkeit, die Dortmund zumindest zeitweise in den drei Spielen der Rückrunde gezeigt hat – vor allem beim 5:1 in Hamburg vor zwei Wochen. Der Hamburger Quervergleich zwischen aktuellem- und Rekordmeister ist allerdings ungerecht, denn der HSV spielte am Samstagabend drei Klassen besser als beim 1:5 zum Rückrundenstart. Das sah auch Bayern-Trainer Jupp Heynckes so: „Die Hamburger haben das gut gemacht. Und es war in Ordnung von uns, hier auf Unentschieden zu gehen. Deshalb gibt es keinen Vorwurf an die Mannschaft. Aber bei uns ist es nun mal so, dass die Ansprüche größer sind als anderswo. Deswegen sind wir nicht zufrieden.“ Die klarsten Worte fand einer, der am Abend trotz einer großen Laufleistung zu den schwächsten Münchnern gehörte – Thomas Müller. Der Nationalspieler sagte: „Wir müssen immer gewinnen, sonst fährt der Zug Richtung Meisterschaft ohne uns ab. Deswegen ärgert mich dieses Remis immens.“

Aus HSV-Sicht war es jedoch das gerechte Resultat eines guten Bundesligaspiels. Nach dem 1:0 durch Jacopo Sala in der 23. Minute und dem Ausgleich durch den ehemaligen Hamburger Ivica Olic in der 71. Minute gefiel es Trainer Thorsten Fink besonders, dass sein Team nicht schicksalsergeben in der eigenen Hälfte auf einen möglichen zweiten Münchner Treffer wartete: „Zum Ende hin wollten wir gewinnen. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie ein hohes Tempo lange durchziehen kann. Wir haben kompakt und intelligent verteidigt, das war natürlich viel besser als gegen Dortmund.“

Man hätte eine Münchner Daueroffensive nach dem Ausgleich erwarten können, doch der HSV machte den Bayern das Leben schwer, blieb bissig und aktiv und wäre in der 77. Minute beinahe in Führung gegangen, doch der eingetauschte Son ließ sich etwas zu weit abdrängen und traf nur das Außennetz. Die Bayern versuchten nun, schnell zu kontern. Aber dieser HSV ließ sich nicht so überraschen, wie es den Dortmundern vor zwei Wochen gelungen war. So machte Heynckes das 5:1 der Dortmunder doch noch einmal zur Bezugsgröße: „Wenn die Borussen heute hier gespielt hätten, wäre ihnen ein solches Ergebnis nicht gelungen. Das ärgert mich etwas.“

Auch wenn Schalke und Mönchengladbach weiter nur äußerst knapp hinter dem FC Bayern liegen, sehen die Münchner ganz klar Dortmund als den Hauptkonkurrenten. „Wir können mit dem Rückrundenstart und vier Punkten aus drei Spielen nicht zufrieden sein“, sagte Heynckes, „unser direkter Konkurrent spielt derzeit sehr erfolgreich, das haben wir ja auch registriert. Deshalb ist die Situation für uns derzeit nicht so gut. Aber das kann sich ja auch wieder ändern.“ Dass weder die Schalker noch die Gladbacher am Samstag gewinnen konnten, wollte Heynckes’ Laune angesichts der Dortmunder Frühform und Tabellenführung auch nicht aufhellen.

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