Sport : Ein toller Hengst

Ready Cash ist Favorit beim Prix d’Amérique.

Heiko Lingk

Paris - Besondere Erfolge erfordern manchmal besondere Entscheidungen – vor allem, wenn man auf nicht erwartete Schwierigkeiten stößt. Diese Regel nahm sich Philippe Allaire, einer der besten französischen Trabertrainer, zu Herzen. Sie wurde im vergangenen Jahr zur Basis für seinen Triumph beim Prix d’Amérique Marionnaud, dem mit einer Million Euro dotierten und wichtigsten Sulkyrennen der Welt. Denn obwohl Allaire mit seinen Pferden im Schnitt pro Saison fast zwei Millionen Euro Preisgeld verdient, gab der Trainer die Regie über sein Pferd Ready Cash an Thierry Duvaldestin ab, einen ebenfalls sehr erfahrenen Kollegen. „Ich wusste einfach nicht mehr, was ich machen sollte – der Hengst gab mir große Rätsel auf“, sagt Allaire. „Ready Cash besaß zwar von Anfang an riesiges Können, doch er war in den Rennen oft unkonzentriert und legte verbotene Galoppsprünge ein. Wir mussten uns daher etwas Neues einfallen lassen.“

Mit Franck Nivard wurde außerdem ein neuer Sulkyfahrer für das Pferd verpflichtet. Eine mutige Entscheidung, die zur zentralen Weichenstellung für eine großartige Erfolgsserie wurde. Denn Ready Cash präsentierte sich in seiner neuen Trainingsumgebung wie verwandelt. Mittlerweile hat der sieben Jahre alte Hengst 31 Siege erzielt und 2,3 Millionen Euro Preisgeld erkämpft. Ready Cash gilt als der beste Traber der Welt. Am Sonntag tritt der Dunkelbraune als Titelverteidiger beim Prix d’Amérique Marionnaud an, und im Vorfeld der 91. Auflage des Millionenrennens steigert sich die Erwartungshaltung der pferdeverrückten Franzosen gegenüber dem Topfavoriten ins Unermessliche.

Das Rennen, das weltweit in achtzig Ländern übertragen wird, ist der alljährliche Höhepunkt einer gigantischen Freizeitindustrie. In der Saison 2011 flossen exakt 10,2 Milliarden Euro Umsatz durch die Wettkassen der 252 französischen Rennbahnen und Pferde wie Ready Cash besitzen den Status eines Superstars.

In den französischen Medien werden schon seit Wochen Vergleiche zu dem legendären Ourasi gezogen – dem Wunderhengst, der das Rennen zwischen 1986 und 1990 vier Mal gewann und damit einen Rekord scheinbar für die Ewigkeit aufstellte. Nur Ready Cash könnte wohl in die Spuren dieses Ausnahmepferdes treten.Heiko Lingk

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