Sport : Ein Tor gegen die Blamage

Okoronkwo trifft spät bei Herthas 1:0-Sieg gegen Tiflis

Mathias Klappenbach

Berlin - Im allerletzten Augenblick drückte er den Ball noch über die Linie – und sich selbst ins Blickfeld. In der Nachspielzeit erzielte der eingewechselte Solomon Okoronkwo gestern Abend das Siegtor für Hertha BSC gegen Ameri Tiflis, und anschließend lief der 19-jährige Nigerianer jubelnd zu der mäßig besetzten Haupttribüne im Jahnsportpark und ließ sich für sein erstes Pflichtspieltor in seinem zweiten Profijahr für die Berliner so feiern, als ob er gerade einen wichtigen Treffer in einem Endspiel geschossen hätte. Es war aber das Hinspiel in der zweiten Qualifikationsrunde für den Uefa-Cup, das Hertha dank Okoronkwos Tor 1:0 (0:0) gegen Tiflis gewann. Trainer Falko Götz war anschließend „froh, dass wir das Tor noch gemacht haben, eigentlich wollten wir ja einen frühen Treffer“. 90 Minuten lang hatte seine Mannschaft versucht, gegen den schwachen und harmlosen Gegner in Führung zu gehen, aber immer wieder wurden die ungenauen Zuspiele in die Spitze von den mit zehn Mann verteidigenden Gästen abgeblockt.

Offiziell 7377 Zuschauer waren in den Jahnsportpark gekommen, um einen sonnigen Fußballabend mit vielen Toren zu erleben, an dem Herthas Mannschaft schon im Hinspiel alle Zweifel am Einzug in den Uefa-Cup beseitigen und sich nebenbei einen Motivationsschub für den Bundesligaauftakt am Sonntag beim VfL Wolfsburg holen wollte.

Hertha tat sich schwer mit dem defensiven Gegner aus Georgien. In der ersten Halbzeit hatten die Georgier eine Fünferkette vor ihre Vierer-Abwehrkette postiert und verteidigten mit neun Spielern vor dem eigenen Strafraum. Die größte Chance hatte Hertha, als David Mchedlischwili nacheinander Kopfbälle von Arne Friedrich und Srdjan Lakic auf der Linie klären konnte. Der neue Stürmer aus Kroatien war in seinem ersten Pflichtspiel für Hertha ansonsten wenig auffällig, der andere neue Angreifer, Christian Gimenez, war noch nicht spielberechtigt. Nach einer Stunde kam dann Okoronkwo für Lakic, die noch wichtigere Auswechslung nahm Falko Götz aber 15 Minuten vor dem Ende vor. Er brachte Patrick Ebert für Ellery Cairo, dessen viele Flankenversuche zuvor abgeblockt wurden oder zu ungenau waren. „In der zweiten Halbzeit hatten wir 20 Minuten lang einen Hänger. Mit der Einwechslung der Jungen haben wir das Blatt gewendet“ sagte Falko Götz, und auch Manager Dieter Hoeneß sah in Ebert den Matchwinner: „Er hat Feuer reingebracht und fantastische Flanken geschlagen.“ Der 19-Jährige spielte in der Tat stark und leitete auch den Siegtreffer ein. Aber Feuer entfachte Hertha gestern nicht, trotz des Gegners. Ameris Trainer George Chikhradze bedankte sich hinterher höflich dafür, dass seine Mannschaft internationale Erfahrung sammeln durfte: „Im Rückspiel wollen wir als richtiger Gegner auftreten.“ Von einem eventuellen Weiterkommen sprach er gar nicht erst. Dafür ist seine Mannschaft nicht gut genug.

Das Bundesligaspiel in Wolfsburg wird „der erste seriöse Test dafür sein, wofür wir wirklich stehen“, sagte Dick van Burik. Von dem gestrigen Spiel wird nur in Erinnerung bleiben, dass zwei noch sehr junge Herthaner den Sieg brachten. „Ich freue mich sehr über mein erstes Tor“, sagte Solomon Okoronkwo. Der Zweitligist Burghausen ist daran interessiert, ihn auszuleihen. „Das kann er selbst entscheiden“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Okoronkwo sagt, dass er bleiben und sich durchsetzen möchte. Seit gestern sicher noch mehr.

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