Sport : Ein Torwart muss auf die Bank

Timo Hildebrand freut sich trotzdem auf Valencia

Julia Macher

Madrid - Auf der Ehrentribüne des FC Valencia vorgestellt zu werden, bleibt laut Vereinsstatuten nur „wichtigen Spielern“ vorbehalten. Und Timo Hildebrand, seit gestern offiziell im Dienst des sechsmaligen spanischen Meisters, genoss die Geste seines neuen Arbeitgebers. „Ich bin sehr froh, hier zu sein“, las er auf Spanisch vom Blatt und lächelte ins Blitzlichtgewitter der Fotografen. Eine knappe Viertelstunde dauerte die Vorstellung, und vielleicht waren das schon die fünfzehn Minuten Ruhm eines deutschen Meisters. Einen Drei-Jahres-Vertrag hat der Stuttgarter bei FC Valencia unterschrieben; doch wie oft er während dieser Zeit im Tor stehen wird, ist unklar. Mit dem 37-jährigen Santiago Cañizares, Ex-Nationaltorhüter und Protegé des Trainers Quique Flores, hat der 28-Jährige einen mächtigen vereinsinternen Rivalen. Durch die Entlassung des Sportdirektors Amadeo Carboni vor zwei Wochen verlor Hildebrand zudem seinen wichtigsten Fürsprecher.

Schlimmstenfalls sitzt die Nummer zwei der deutschen Nationalmannschaft also auf der Bank und riskiert die Nominierung für die Europameisterschaft. Hildebrand weiß, dass ihm an der Mittelmeerküste schwierige Monate bevorstehen. „Das ist eine große Herausforderung, aber ich bin bereit zu kämpfen, deswegen bin ich hier,“ sagte er am Mittwoch. Es war eine Art nachträgliches Bewerbungsgespräch beim Coach. Und die indirekte Bitte, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Zwar lästerte Flores, der Junge mit der blonden Mähne sei kein reifer Spieler. Doch das lag an der Vorgeschichte des Transfers: Denn die Verpflichtung von Hildebrand war das Ergebnis des Machtkampfs zwischen Trainer und Sportdirektor. Carboni hatte den Stuttgarter im Dezember 2006 im Alleingang verpflichtet – gegen den Willen von Flores. Kein Wunder also, dass der nicht gut auf Hildebrand zu sprechen war – und bei Präsident Juan Soler intervenierte. Soler verlängerte nach Bekanntwerden des Deals den Vertrag von Cañinzares und dessen Ersatzmann Ludovic Butelle um zwei Jahre.

Der Dauerkrach in der Chefetage sorgte für das bestbewachte Tor der spanischen Liga. Zwar hat sich der Klub des streitlustigen Sportdirektors nun entledigt und angeblich soll der Franzose Butelle nun zu Real Murcia wechseln. Wie oft Hildebrand in Valencia zum Einsatz kommt, wird sich an Flores entscheiden. Beziehungsweise an der Frage, wie nachtragend der Coach ist. Julia Macher

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben