Sport : Ein Trainer mit doppelter Heimat

Mitten im Spielbetrieb der DEL ist Don Jackson in die USA gereist – das könnte für die Eisbären zum Problem werden

Claus Vetter

Berlin - Es war erst sechs Uhr früh in Wichita im US-Bundestaat Kansas, als Don Jackson am Sonntagmorgen zum Telefonhörer griff. In Straubing war es schon 13 Uhr, als Eisbären-Kotrainer Jeff Tomlinson dann die Stimme seines Chefs am Handy hörte. Anderthalb Stunden vor Spielbeginn der gestrigen Auswärtspartie der Berliner in Bayern (siehe Kasten unten) wollte der fehlende Cheftrainer seinem Stellvertreter hinter der Bande nur sagen, dass beim ihm „alles in Ordnung ist, und dass die Mannschaft über den Dingen stehen soll“, erzählt Don Jackson.

Die Stimme des Eishockeytrainers klang gestern Morgen ein wenig aufgeregt, was kaum verwundern konnte: Erst am Sonnabend war Jackson zur Überraschung seiner Mannschaft und vieler anderer bei den Eisbären von Berlin in die USA geflogen. Zwei Tage zuvor hatte er Peter John Lee von familiären Problemen erzählt und dabei emotional sehr angegriffen gewirkt, wie der Manager berichtet. Jacksons Ehefrau und Tochter wohnen noch in der Heimat des US-Amerikaners, ihnen geht es wohl nicht gut. „Aber ich habe Pete gesagt, dass ich nicht sofort fahren will“, erzählt Jackson. Schließlich gibt es in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) im Februar ohnehin noch eine Spielpause. Lee allerdings habe ihm geraten, die Probleme umgehend vor Ort zu lösen, sagt Jackson. Der Manager bestätigt das: „Wir alle wissen doch, wie wichtig Kinder sind. Das muss immer Vorrang haben vor dem Beruf.“

Jackson sagte nun gestern, eine Nacht nach seiner Ankunft in Kansas, es habe alles regeln können in seiner Familie. Es habe sich um „Teenagerprobleme“ gehandelt, erklärte er und lachte. „Ich bitte um Verständnis, dass ich keine Details nennen möchte.“ Wichtig sei für ihn, dass es nun keine Schwierigkeiten mehr gebe. „Daran besteht für mich kein Zweifel.“

So traurig es auch sein mag: Jacksons private Sorgen machen die Situation für die Eisbären nicht einfacher. Jackson musste ausgerechnet in die Heimat reisen, nachdem der DEL-Tabellenführer beim 2:4 gegen die Hamburg Freezers bereits die vierte Niederlage im fünften Spiel des Jahres kassiert hatte und in sein größtes Saisontief geschlittert war.

Die Heimatverbundenheit des Amerikaners ist allerdings nicht neu. Seit dem Frühjahr 2005 ist der einstige Weltklasseverteidiger in Deutschland beschäftigt, zunächst arbeitete der ehemalige Profi der Edmonton Oilers bei den Eisbären, die unter der Regie von Pierre Pagé und ihm als Kotrainer 2005 Meister wurden. Mit dem Titel als Referenz bekam Jackson die Chance auf einen Chefposten bei einem anderen Klub: Der damals 49 Jahre alte Coach ging im Sommer 2005 für zwei Jahre zur Düsseldorfer EG, bevor er wieder nach Berlin kam – nun als Cheftrainer.

Als besonders entscheidungsfreudig bei Vertragsverhandlungen gilt der großgewachsene Mann nicht: In Düsseldorf zauderte Jackson im Jahr 2006 lange mit der Unterschrift unter einen neuen Kontrakt, vergangenes Jahr konnte er sich auch lange nicht zwischen Berlin und Düsseldorf entscheiden. Er müsse das erst mit seiner in den USA lebenden Familie abklären, sagte der Trainer damals. Jackson hoffte damals auf ein Engagement in Nordamerika – vergebens. Auch als er sich dann 2007 für zwei Jahre bei den Eisbären verpflichtete, wollte seine Ehefrau aus beruflichen Gründen nicht nach Deutschland folgen. Das stellt ein Problem für den Familienmensch dar, der während der Saison schon mal gern in die Heimat fliegt: Als die Liga im November 2007 während des Deutschland-Cups pausierte, verließ Jackson Deutschland, während viele seiner DEL-Trainerkollegen die Spiele des Nationalteams in Hannover verfolgten.

Ist es sinnvoll, dass ein Klubtrainer zwischen den Kontinenten pendelt? Selbst ein Jürgen Klinsmann wird nun künftig als Trainer bei den Bayern nicht mehr derartiges veranstalten, was er als Nationaltrainer noch machte. Peter John Lee sieht Jacksons Liebe zur Heimat noch nicht als kritisch für seinen Klub an, räumt aber ein: „Wenn das zu einem großen Problem wird, dann werden wir darüber im Sommer sprechen.“

Theorien, nach denen der Trainer womöglich gar nicht mehr nach Berlin zurückkommt, stuft Manager Lee als „viel zu wild“ ein. Don Jackson selbst sagte jedenfalls gestern: „Die Frage, ob ich zurückkomme oder nicht, stellt sich nicht. Ich bin in acht Tagen wieder in Berlin. Da gibt es keine Krise.“ Die Eisbären kamen gestern im ersten Spiel ohne ihren Chef tatsächlich zum ersten Auswärtssieg des neuen Jahres. Noch zwei Spiele lang müssen die Spieler ohne Jackson auskommen – beim Spiel in Iserlohn am 22. Januar will der Trainer sie dann wieder betreuen.

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