Sport : Ein Traum, aber kein Ende des Traumas

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Helmut Schümann über

Dieter Baumanns Rückkehr

Was soll man jetzt anfangen mit Dieter Baumann und seinem feinen Erfolg von München? Außer Gutheißen geht eigentlich nichts, auch für diejenigen nicht, die in ihm den größten Lügner des deutschen Sports sehen, weil er ihrer Ansicht nach jahrelang öffentlich Wasser gepredigt hat und heimlich Wein soff. Zwei Jahre war der Läufer gesperrt gewesen für ein immer noch ungeklärtes Dopingvergehen (das ist, das am Rande, wesentlich länger, als Radfahrer Jan Ullrich am Ende gesperrt sein wird für ein geklärtes Dopingvergehen) – Baumann hat also gebrummt für die kontaminierte Zahnpastatube. Warum ihn also nicht feiern für seinen zweiten Platz bei der EM (wenngleich man nicht zerfließen muss vor Glück wie Fernsehkommentator Poschmann und so tun, als sei die Reinheit der Leichtathletik wiederhergestellt durch Baumanns leicht ins Triumphale lappenden Lauf).

Andererseits: Eine Rehabilitation ist Baumanns Lauf zum späten Glück auch nicht. Diejenigen, die den zahlreichen Indizien sowie Baumanns Glaube folgten, einem irrwitzigen Komplott aufgesessen zu sein, können sich freuen mit dem Läufer. Einen Beleg für Baumanns Unschuld haben sie dadurch nicht bekommen. Der Fall Baumann, der größte und dubioseste Dopingskandal der deutschen Sportgeschichte, wird weiter dubios bleiben.

Bleibt der Läufer selbst, der allein wissen wird, wie er sein fulminantes internationales Comeback einordnen kann: als persönliche Wiedergutmachung, als Rechtfertigung gegen erlittene Unbill, als Sieg über die Depression oder als subjektiv empfundenen Schlussstrich unter eine traumatische Affäre. Das Trauma einer Karriere, in der, wer auch immer, hineingepfuscht hat, wird Baumann deshalb trotzdem nicht loswerden.

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