Sport : Ein weiteres Plädoyer für die Torlinientechnik

Beim 2:2 der Hoffenheimer gegen den 1. FC Nürnberg wird ein einwandfreier Treffer von Kevin Volland nicht anerkannt.

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Sinsheim - Kevin Volland wirkte überfordert damit, das Grundsatzproblem zu lösen. Im Kopf hatte der Stürmer der TSG Hoffenheim noch die Szenen aus dem Kabinengang zur Pause der Partie gegen den 1. FC Nürnberg. 2:2 lautete das Endergebnis, obwohl die Hoffenheimer drei Tore erzielt hatten. Das vermeintliche 2:0 kurz vor der Pause hatten Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer und sein Assistent Detlef Scheppe allerdings nicht anerkannt. Der Ball war nach Vollands kunstvollem Schuss kurz über die Linie gesprungen und dann aus dem Tor raus neben den Pfosten gekullert. Die Diskussion darüber, wie dringend die sogenannte Torlinien-Technologie gebraucht wird, begann unmittelbar danach. Mit der lässt sich entweder über Sensoren oder Kameras nachweisen, ob der Ball in vollem Umfang über der Linie war. Dem Schiedsrichter wird das per Funksignal auf seiner Uhr angezeigt.

In Sinsheim gab es auch ohne Technik bald keine Zweifel mehr. Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer und der sich aufwärmende Reservist Alex Esswein hatten laut Volland gesehen, „dass der drin war“. Das hätten sie bei der lebhaften Diskussion im Kabinengang berichtet. Kinhöfer konnte auf den TV-Schirmen im Kabinengang sehen, „dass es ein Fehler war“. Auf dem Rasen aber war er seinem ersten Gedanken gefolgt: „Der war nicht drin.“ Der Schiedsrichter rang sich eine Entschuldigung ab.

Volland, der nach seinem Schuss stürzte und nicht protestierte, wollte Kinhöfer nicht zur Rede stellen: „Ich hab es ja nicht gesehen, da wollte ich nicht urteilen.“ Schäfer und Esswein kann man kaum einen Vorwurf machen, „wir wurden nicht gefragt“, behauptete Schäfer, „sonst gibt man da schon eine ehrliche Antwort“. Nicht nur Spieler und Trainer fühlen sich mit dem Problem allein gelassen. „Die Schiedsrichter begrüßen es, wenn uns diese Geschichte abgenommen wird“, sagte Kinhöfer. Und Hoffenheims Trainer Markus Gisdol meinte: „Dass man da als Spieler die Hand hebt und zum Schiedsrichter an die Mittellinie rennt, kann man nicht erwarten. Das geht zu weit, das muss man anders lösen.“

Das Bemühen, zweifelsfreie Beweise zu schaffen, wenn es um Abseits, Fouls oder Tore geht, ist nicht neu. Was die Diskussionen wie ein Schatten begleitet, ist ein zögerlicher Zick-Zack- Kurs von Verbänden und Managern. Der Weltverband Fifa hat gerade beim Confed-Cup in Brasilien ein System getestet und wird es auch bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr einsetzen. Eine Vorschrift an die nationalen Ligen, diesem Beispiel zu folgen, gibt es allerdings nicht, auch nicht für Champions League und Europa League. Uefa-Präsident Michel Platini lehnt Hilfsmittel grundsätzlich ab. Oliver Trust

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