Sport : Eine Frage des Stils

Stefan Hermanns

über Sepp Maier und die neue Zeit im deutschen Fußball Siebzehn Jahre lang hat Sepp Maier bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Torhüter trainiert, er ist als treuer Helfer Welt- und Europameister geworden, hat aus Oliver Kahn den besten Torhüter der Welt gemacht – und überhaupt hat es in dieser langen Zeit nie Klagen über die fachlichen Qualitäten Maiers gegeben. Dass er vom neuen Bundestrainer Jürgen Klinsmann trotzdem nach nur zweimonatiger Zusammenarbeit zum Rücktritt gedrängt wurde, muss also andere Gründe haben. Es war wohl vor allem eine Frage des Stils.

Sepp Maier passt ganz einfach nicht mehr ins Umfeld der Nationalmannschaft. Das mag an Maier liegen und an seiner manchmal zwanghaften Spaßhaftigkeit. Es hat aber auch etwas mit den modernen Zeiten zu tun, denen Jürgen Klinsmann und der neue Teammanager Oliver Bierhoff bei der Nationalmannschaft gerade erst zum Durchbruch verholfen haben.

Sepp Maier stammt aus einer Zeit, in der der Deutsche Fußball-Bund noch männerbündisch organisiert war, die Nationalmannschaft in Sportschulen kaserniert wurde und vor Weltmeisterschaften harmlose Schlagerliedchen aufnahm. „Fußball ist unser Leben“, haben die Nationalspieler vor der WM 1974 gesungen, der Franz, der Berti und natürlich der Maiersepp. Einen programmatischeren Titel hätte es für diese Generation wahrscheinlich nicht geben können.

Für Bierhoff und Klinsmann ist der Fußball ein Produkt, die Nationalmannschaft eine Marke, die es zu positionieren gilt. Jemand wie Maier kann da in seiner Unberechenbarkeit zum unkalkulierbaren Geschäftsrisiko werden. In einem Interview hat er einmal erzählt, dass er zu seiner aktiven Zeit einem Journalisten wegen eines schlechten Artikels eine saubere Watschn verpasst habe. „Danach war der nur noch nett zu mir.“ Moderne Medienarbeit sieht inzwischen anders aus.

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