Sport : Eine Frau und ihr Lohn

Wurde eine Basketball-Kotrainerin gefeuert, weil sie das gleiche Gehalt wie männliche Kollegen forderte?

Lars Spannagel

Berlin - Auf der Homepage der Frankfurt Skyliners steht immer noch, Daphne Bouzikou sei von der Trainerbank der Frankfurter „nicht mehr wegzudenken“. Dabei hat der Basketball-Bundesligist das Arbeitsverhältnis mit seiner Kotrainerin schon am 28. Oktober abrupt per fristloser Kündigung beendet. Bouzikou zufolge, weil sie den gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen gefordert hat.

Die 39-Jährige war zehn Jahre lang als einzige Trainer-Assistentin eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Profisport, fünf Coaches hat sie bei den Skyliners in dieser Zeit kommen und gehen sehen. Vor dieser Saison verpflichtete der Klub mit Klaus Perwas und Engin Gencoglu zwei weitere Kotrainer. Durch Zufall, sagt Bouzikou, habe sie erfahren, dass der Klub einem der beiden Kollegen mehr Gehalt zahle als ihr. „Ich finde das ungerecht und konnte es nicht auf mir sitzen lassen“, sagt Bouzikou. „Gerade nach dieser langen Zeit nicht.“ Am 16. Oktober beschwerte sie sich schriftlich bei ihrem Arbeitgeber und forderte unter Berufung auf das Allgemeine Gleichstellungsgesetz Nachzahlungen und eine Entschädigung.

Zwölf Tage später kündigten ihr die Skyliners fristlos, beim 60:60 gegen Antalya im Europapokal am vergangenen Dienstag saß sie schon nicht mehr auf der Bank. Sportdirektor Kamil Novak begründete die Trennung zunächst mit einem „gestörten Vertrauensverhältnis“. Am Mittwochabend teilte der Klub in einer knappen Erklärung mit, die Kündigung habe mit Bouzikous Gehaltsforderung „nichts zu tun“. Zur Trennung hätten „völlig andere Gründe geführt, die diese Entscheidung unausweichlich machten“. Weiter wollten sich die Skyliners auch auf Anfrage nicht äußern.

„Die fristlose Kündigung macht mich sehr betroffen“, sagt Bouzikou. „Besonders, weil sie ohne vorheriges Gespräch ausgesprochen wurde.“ Zumal die Deutsch-Griechin bei den Frankfurtern seit dem Bundesliga-Start des Klubs 1999 beschäftigt ist. Der Verein vermarktete die 1,73-Meter große Frau zwischen den langen Basketballern geschickt, zuletzt hatte die Mutter eines sechsjährigen Sohnes auch viel Verantwortung im Jugendbereich übernommen. Als Headcoach Murat Didin in den Play-offs der vergangenen Saison gegen Leverkusen wegen zweier technischer Fouls disqualifiziert wurde, coachte sie für letzten sechs Minuten lang die Mannschaft. Danach sagte sie, der Rummel um ihren Kurzeinsatz zeige, wie stark der Sport immer noch von Männern dominiert sei.

„Ich bedauere die Trennung nach der langen, erfolgreichen und schönen Zusammenarbeit sehr“, sagt Bouzikou. „Ich bin gut in meinem Job und hätte ihn gern weitergemacht.“ Als zwei Klubs im Sommer bei Bouzikou anfragten, ob sie sich einen Wechsel vorstellen könne, sagte sie ab, ohne lange darüber nachzudenken. „Für mich war klar: Ich bleibe in Frankfurt“, sagt Bouzikou. „Ich bin mit diesem Verein sehr verbunden. Wenn man mich loswerden will, hätte man mir das ja im Sommer sagen können.“ Falls sich Bouzikou und die Skyliners nicht doch noch einigen, werden sich beide Parteien am 3. Dezember vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main wiedersehen. Lars Spannagel

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