Sport : Eine gewisse Tradition

Das Holland-Spiel lockt auch die Hooligans – entsprechend streng sind die Sicherheitsvorkehrungen

André Görke

Berlin - Ein Mittwoch im April 1996. Bundestrainer Berti Vogts überreichte seinem niederländischen Kollegen ein weißes Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und sagte leise: „Ich schäme mich.“ Ein paar Meter weiter randalierten 2000 deutsche Fußballfans im Rotterdamer Stadion. Am nächsten Morgen sprach die Polizei von „chaotischen Zuständen“ am Hauptbahnhof. Sie nahm 71 Personen fest.

Heute ist wieder Mittwoch, und heute spielt die deutsche Nationalmannschaft wieder gegen Holland und wieder in Rotterdam. Bundesinnenminister Otto Schily hat in Berlin jüngst prognostiziert, dass das Länderspiel eine „gewisse Tradition“ habe, dass es auf den Tribünen immer „lebhaft“ zugehe und die deutschen Sicherheitsbehörden deshalb „intensiv mit unseren holländischen Freunden“, also der Polizei, reden werden.

Die Daten deutscher Hooligans hat die Polizei in der „Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze“ (ZIS) gespeichert. „Wir gehen von einem Risikospiel aus“, sagt ZIS-Sprecher Frank Scheulen. Eine Delegation von deutschen Hooligan-Fahndern ist prophylaktisch nach Rotterdam gereist. Beim Länderspiel der Nationalmannschaft in Slowenien kam es überraschend zu Ausschreitungen, obwohl die deutsche Szene viele Jahre ruhig war. Doch zuletzt kam es wieder häufiger zu organisierten Schlägereien. „Die trainieren still für die WM“, hieß es in Sicherheitskreisen.

Nur 1100 deutsche Fans dürfen heute im Fanblock stehen. In die Innenstädte sollen die Fans nicht gehen, sagen Polizeikräfte. Der Treffpunkt für alle Deutschen liegt am Stadtrand von Rotterdam, dort werden die Gutscheine bei Vorlage des Personalausweises gegen Tickets getauscht. Vor neun Jahren waren viele Hooligans auf dem Schwarzmarkt an Karten gelangt. Damit erst keiner anreist, hat die Polizei laut ZIS in den Bundesländern ihre Hooligans angesprochen und gewarnt. „Wir haben keine Erkenntnisse, dass Berliner nach Holland reisen“, heißt es bei der „Ermittlungsgruppe Hooligans“ der Berliner Polizei. Das könne etwas mit dem Oberligaspiel zwischen den verfeindeten Klubs 1. FC Union und BFC Dynamo am Wochenende zu tun haben. Von den rund 2500 registrierten deutschen Hooligans wohnen mehr als 300 in Berlin.

Dennoch haben Polizeikräfte ein mulmiges Gefühl. Zwar müssen sich die Rädelsführer während des Spiels in ihrer jeweiligen Polizeiwache melden, doch das nützt nicht immer viel. Als vor vier Jahren Deutschland auf England traf und der Spielort München eine Festung war, verabredete sich die Szene einen Tag vorher in Frankfurt am Main.

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