Sport : Eine Klasse für sich

Die Deutsche Eishockey-Liga schafft den sportlichen Auf- und Abstieg ab

Claus Vetter

Berlin - Es muss für die Eisbären ein beruhigendes Gefühl sein, dass sie sich in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nicht in akuter Abstiegsgefahr befinden. Denn Aufsteigen könnten die Berliner im kommenden Jahr nicht – weil ihr Stadion zu klein ist. DEL und Deutscher Eishockey-Bund haben nun in einem neuen Kooperationsvertrag fixiert, dass ab der Saison 2006/2007 keiner der 14 Klubs absteigen kann und es nur noch einen Aufsteiger gibt – bis die Liga 16 Klubs hat. Der Zweitligameister muss allerdings das passende Stadion mitbringen.

„Kapazitätsindex“ heißt das Wortungetüm, dass bei aufstiegswilligen unterklassigen Klubs künftig Schrecken verbreiten wird: 9000 Punkte muss demnach eine DEL-taugliche Arena haben. Ein Punkt gibt es pro Stehplatz, zwei pro Sitzplatz und 1000 Punkte für einen Videowürfel. 9000 Punkte? Bitter für die Eisbären. Ihr Wellblechpalast hat 1600 Sitzplätze, 3400 Stehplätze, keinen Videowürfel – macht nur 6600 Punkte. Und doch dürfen die Berliner in der DEL bleiben, im Kooperationsvertrag heißt es: „DEL-Klubs, die 2005/2006 am Ligabetrieb teilgenommen haben, erhalten Bestandschutz.“

Wie aber sieht es mit den Klubs aus, die gefährdet sind, nach dieser Saison keinen Bestandschutz zu bekommen? „Die befinden sich in einem Existenzkampf“, sagt Uli Egen, Sportdirektor des abstiegsgefährdeten EV Duisburg. „Wenn wir jetzt absteigen, kommen wir nicht mehr hoch.“ Allerdings ist von den Zweitligisten kaum einer besser gestellt als die Duisburger mit ihrer zu kleinen Halle: Von den zurzeit auf den ersten acht Plätzen der Zweiten Liga rangierenden Teams erfüllen maximal Landshut und Regensburg den Kapazitätsindex. „Da kannst du nur hoffen, dass in dieser Saison irgend so eine Gurkentruppe Meister wird“, sagt Egen und meint: dass sich ein Klub sportlich für die DEL qualifiziert, der wegen fehlender Großarena nicht aufsteigen darf. Trotzdem, sagt Egen: „Wir nehmen zu viel vom nordamerikanischen Sportgeschäft an.“ In der Profiliga NHL gab es noch nie einen sportlichen Absteiger. „Ich bin Gegner der neuen Regel“, sagt Egen. „Wenn es nicht gegen den Abstieg geht, droht Langweile auf den letzten Tabellenplätzen.“

Nicht zuletzt auf Wunsch vieler Fans hatte die DEL im Jahr 2001 den zuvor abgeschafften Auf- und Abstieg wieder eingeführt. Allerdings hat sich die Infrastruktur in der Liga seitdem verändert: In Deutschland stehen und entstehen die modernsten Arenen Europas. Die DEL erlebt einen Zuschauerboom, hat in dieser Saison schon drei Klubs, die im Schnitt mehr als 10 000 Zuschauer pro Spiel haben. Natürlich, sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, wolle man die Klubs mit den Großarenen in der Liga halten. „Und die brauchen Planungssicherheit“, sagt Tripcke. Auf Dauer würden die kleinen Hallen aus der Liga verschwinden. „Es bringt nichts, wenn in einem 2000-Mann-Zelt wie in Wolfsburg gespielt wird.“

Die Gefahr besteht in der DEL nicht mehr: Obwohl Wolfsburg in der Vorsaison den Klassenerhalt geschafft hatte, musste der Klub absteigen. Wolfsburg konnte keine Garantie für einen Hallenneubau vorlegen. Da sind die Eisbären weiter. Im Januar will ihr Eigner Philip Anschutz den Namenssponsor der neuen Arena am Ostbahnhof verkünden. Eisbären-Manager Peter John Lee hat die Neuregelung unterstützt. „Denn sie macht die DEL finanziell noch stabiler“, sagt er. „Auch viele Zweitligisten haben nichts dagegen, auch wenn die ihren Fans etwas anderes erzählen. Das ist purer Populismus, die könnten sich den Aufstieg gar nicht leisten.“ Das ist sicher nicht falsch: Viele Klubs in der DEL gehören inzwischen Großkonzernen, der Bäcker von der Ecke ist bei einem Kleinstadtklub wie Landshut nun mal als Sponsor wichtiger als bei den Eisbären. „Außerdem kann ja aufsteigen, wer eine vernünftige Halle mitbringt“, sagt Lee. „Aber wir sind auch schon mit 14 Vereinen zufrieden“, sagt Gernot Tripcke, Geschäftsführer der größten geschlossenen Gesellschaft im deutschen Profisport.

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