Sport : Eine Klasse schlechter

Der Zauber ist verflogen – Japan und Südkorea kämpfen sich durch die WM-Qualifikation

Martin Hägele[Jinan]

Gegen die Fußballer aus Südkorea haben die Chinesen noch nie gewonnen, daran ist angeblich der böse Zauber im Ball schuld. In China ist der Aberglaube groß, auch im Sport, und deshalb war für Arie Haan, den Trainer der chinesischen Nationalmannschaft, der Ausflug nach Jinan zum Viertelfinale des Asien-Cups weit mehr als nur ein Routine-Check der nächsten Gegner. Was der Holländer dann in Jinan zu sehen bekam, dürfte ihn erfreut haben: Der Iran gewann 4:3 gegen Südkorea und qualifizierte sich für das Halbfinale gegen seine Mannschaft.

Von den geheimnisvollen Kräften, die vor gut zwei Jahren die Südkoreaner bei der WM ins Spiel um die Bronzemedaille getragen hatten, war nicht mehr viel zu sehen. Die sportliche Ekstase, der nationale Rausch, all jene Elemente, welche die Epoche unter dem Niederländer Guus Hiddink zum schönsten Märchen der Fußballgeschichte werden ließen, existieren nur noch auf Video und in Büchern. Spätestens am 31. März 2004 ist ganz Südkorea aus dem Traum erwacht. Ein 0:0 gegen die Malediven brachte die Demission von Nationalcoach Humberto Coelho und die Erkenntnis, dass man plötzlich wieder gegen die schwächsten Mannschaften verlieren kann – und das just bei der Qualifikation zur WM 2006.

Jo Bonfrere, der neue Nationaltrainer Südkoreas, lobte sein Team im Stadion von Jinan trotzdem ausführlich. Im Asien-Cup ist die Mannschaft ausgeschieden, doch Bonfrere sagt: „Meine Mannschaft hat sich stark verbessert. Wir schießen jetzt wenigstens wieder Tore, und das ist das wichtigste.“ Drei Tore hätten ja eigentlich reichen müssen zum Weiterkommen, „aber weil wir immer den Gegentoren der Iraner hinterherlaufen mussten, haben wir unseren Rhythmus nie gefunden.“ Zum Schluss aber kommt dann doch die Frage, wie er gedenke, Südkorea 2006 nach Deutschland zu bringen. Und obwohl er diese Perspektiv-Debatte noch ablehnt, weiß Bonfrere genau, wann für ihn und für Südkorea die Stunde der Erkenntnis schlagen wird: Am 8.September in Ho Chi Minh City und am 13. Oktober in Beirut. Südkorea muss beide Spiele in der Vorrundengruppe 7 gegen Vietnam und das Team aus dem Libanon gewinnen; schon ein Unentschieden bedeutet den Auschluss von der Endrunde des WM-Turniers.

Jener 13. Oktober steht auch im Kalender von Japans Nationaltrainer Zico. Dann tritt seine Mannschaft in Ruwi gegen den Oman an – in den vergangen beiden Begegnungen unterlagen jeweils die Japaner.

Das Thema vom Angstgegner Oman ist Zico erspart geblieben. Der Brasilianer musste auch kein Statement abgeben zum Leistungsstandard seines Teams, das im Vergleich zur Weltmeisterschaft um eine Klasse gefallen ist. Vor zwei Jahren kamen die Japaner bis ins Achtelfinal, ohne die verletzten oder in Europa spielenden Profis Nakata, Inamoto, Ono und Takahara fehlt es der japanischen Auswahl aber an Tempo und einem klaren Konzept. Ins Halbfinale des Asien-Cups zog die Mannschaft erst nach denkwürdigem Elfmeter-Schießen gegen Jordanien ein. Nachdem Japans Stars Nakamura und Alex den Ball hoch übers Tor verschossen hatten, intervenierte Kapitän Myamoto beim Schiedsrichter gegen den Austragungsort. Der Unparteiische könne sich doch an die Fehlschüsse von David Beckham bei der EM erinnern, und auch daran, dass die Hinweise auf den miserablen Untergrund leider zu spät gekommen seien. Die Argumente überzeugten den Schiedsrichter: Das Elfmeter-Schießen wurde in den anderen Strafraum verlegt.

Das war zuviel für die Mannschaft aus Jordanien. Sie verlor die Nerven und das Elfmeterschießen, obwohl sie lange mit zwei Toren in Führung gelegen hatte. In China würde man jetzt sagen, es habe am bösen Zauber im Ball gelegen.

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