Sport : Eine kleine Aufmerksamkeit

Reiner Calmund bestätigt ein Handgeld für Jens Nowotny – korrekt versteuert

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Von Erik Eggers

Leverkusen. Noch kann Jens Nowotny nicht gegen den Vorwurf der Kölner Staatsanwaltschaft Stellung beziehen, er habe im Rahmen seines 1996 erfolgten Transfers von Karlsruhe zu Bayern Leverkusen Steuern hinterzogen. „Noch haben wir die Akte vom Finanzamt nicht“, sagt Nowotnys Berater Georg Bischoff, „noch nicht einen einzigen Zettel.“ Aber er sprach gestern erstmals gegenüber dem Tagesspiegel von einem gezahlten Handgeld, „das üblich ist und das“, darauf legte er großen Wert, „bei uns ordentlich versteuert worden ist“. Bayer-Manager Reiner Calmund hatte am Dienstagmorgen dem Westdeutschen Rundfunk erklärt, Nowotny sei 1996 für eine Ablösesumme von 1,4 Millionen Mark sowie „ein kleines Handgeld“ zu Bayer gewechselt: „Das war eines unserer besten Geschäfte.“ Auch Calmund legte aber Wert auf die Feststellung: „Es ist alles korrekt versteuert worden.“

Bisher war im Fall Nowotny immer von einem Transfervolumen von vier Millionen Mark die Rede, so dass ein Handgeld in Höhe von 2,6 Millionen Mark als wahrscheinlich gilt. Im gleichen Zuge bestritt auch Calmund vehement die Steuervorwürfe sowohl im Fall von Nowotny als auch beim früheren Leverkusener Trainer Christoph Daum. „Das entbehrt von A bis Z jeglicher Grundlage“, sagte Bayers Manager und sprach von „utopischen Summen“, die in den Medien genannt worden seien.

Angeblich soll Daum gegenüber seinem ehemaligen Anwalt Matthias Prinz, der ihn momentan vor dem Hamburger Landgericht auf die Zahlung ausstehender Honorare verklagt, von inoffiziellen Zahlungen Bayers gesprochen haben. Calmund jedenfalls ist jovial wie ehedem. „Wir haben noch eine Woche dieses Thema, dann gucken wir wieder locker in die Landschaft“, sagte er gestern, fest überzeugt davon, dass Bayer Leverkusen nichts falsch gemacht hat.

Die Zahlung von Handgeldern im Rahmen derartiger Transfers ist an sich auch nicht strafbar. „Es ist seit dem Bosman-Urteil im Profibereich nicht zwingend vorgeschrieben, die Einzelheiten eines Transfers zu deklarieren“, sagte der Kölner Rechtsanwalt Roland Nasse auf Anfrage des Tagesspiegels. Nasse doziert an der Deutschen Sporthochschule in Köln Sportrecht und vertritt auch Bundesligavereine und -spieler bei Rechtsstreitigkeiten.

Im Grundsatz, erklärte Nasse, seien „Handgelder, Jahresgehälter und etwaige Sonderzahlungen frei verhandelbar“. Bis Anfang der Neunzigerjahre, bis der belgische Spieler Jean-Marc Bosman vor einem EU-Gericht die freie Arbeitsplatzwahl von Fußballprofis durchgesetzt hatte, bestimmten noch die Fußballverbände über die Regularien bei Wechseln. Seitdem sind nur noch, so sagt Nasse, „bei Transfers aus dem Amateurbereich in die Profiligen feste Eckpunkte einzuhalten.“

Es wird also vermutlich allein darauf ankommen, ob die betreffenden Spieler die teilweise exorbitanten Handgelder, die in den vergangenen Jahren des freien Marktes flossen, auch korrekt versteuert haben. Ob indes die Steuerbehörden neben Jens Nowotny auch andere Spieler ins Visier ihrer verdeckten Ermittlungen genommen haben, ist noch nicht bekannt. Bislang hat die Kölner Staatsanwaltschaft bisher weder gegen den Verein noch gegen weitere Leverkusener Spieler ein Ermittlungsverfahren eröffnet, laut Oberstaatsanwältin Regine Appenrodt auch nicht gegen Christoph Daum.

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