Sport : Eine Reise ins Ungewisse

Herthas Gegner Benfica Lissabon war mal eine große Adresse im Fußball – der Neuaufbau hat begonnen

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Wenn Hertha BSC am Donnerstag im Olympiastadion die Mannschaft von Benfica Lissabon im Uefa-Cup empfängt, ist es vor allem der klangvolle Name, der zieht. Sportlich sind die großen Tage der Portugiesen Geschichte. Ein Prädikat ist Benfica aber noch geblieben: Ginge es nach den Mitgliederzahlen, so wäre Portugals Rekordmeister immernoch weltgrößter Verein. Benfica hat rund 160 000 Klubmitglieder.

Der sportliche Ruhm ist verblasst. Seit 1996 gewann das Team nur noch einmal Meisterschaft (2005) und Pokal (2004). Der FC Porto ist längst an Benfica vorbeigezogen. Besonders schlimm traf es den Verein in der abgelaufenen Saison. Hinter Porto und Sporting Lissabon landete selbst der Provinzverein Vitoria Guimares noch vor Benfica, was erst Trainer Camacho und dann seinen Nachfolger Chalana den Job kostete. Benfica fand sich im ungeliebten Uefa-Cup wieder.

Enrique Sanchez Flores wurde im Mai 2008 vom damals neuen Sportdirektor Rui Costa als Trainer verpflichtet. Flores, zuvor bei Getafe und Valencia erfolgreich, soll ein neues Team formen. „Ein Haus zu bauen ist schwieriger, als eines abzureißen. Wir müssen erst einmal das Fundament bauen. Das braucht Zeit, Kreativität und vor allem viel Arbeit“, sagte der in Madrid geborene Trainer in einem Interview mit der spanischen Sportzeitung „AS“.

Der bisher wohl spektakulärste Zug in Flores’ Amtszeit ist die Leihgabe Jose Antonio Reyes. Der spanische Nationalstürmer war zuletzt vom FC Sevilla zum FC Arsenal, zu Real Madrid und schließlich zu Atletico Madrid gewechselt – nirgends konnte er sich durchsetzen. Nun spielt Reyes für Benfica, Atletico hat ihn nach einer schwachen Saison ausgeliehen. Jetzt könnte der 25-Jährige auf dem Weg zu alter Stärke sein – zumindest hoffen sie das in Lissabon. Bisher hat er jeweils einmal im Uefa-Cup und einmal in der Liga getroffen. Trainer Flores sagt: „Reyes muss im Mittelpunkt stehen, er muss sich wie ein Protagonist fühlen. Das hat ihm bei seinen letzten Vereinen gefehlt.“

Neben Reyes gehören Nationalstürmer Nuno Gomes und der Argentinier Aimar zu den Schlüsselspielern des Teams. Vergangenen Sonntag aber hatte Benfica im Pokal gegen den Drittligist Penafiel Mühe, gewann erst im Elfmeterschießen. „Uns hat es vor allem an Einsatzwillen gefehlt“, sagte Flores. Ob das schlechte Spiel die Vorbereitung auf das Duell mit Hertha beeinflusse? „Nein“, sagte Flores, „in so wichtigen Spielen ist unsere Einstellung eine andere.“ Allerdings wisse sein Team nach dem Sieg über Neapel im Uefa-Cup und dem schwachen Pokalspiel nicht, wie stark es wirklich sei. „Sind wir gut oder schlecht?“ In Berlin werde sich das zeigen, glaubt Flores.

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