Sport : Einen Schritt dahinter

Die deutschen Gymnastinnen träumen von Olympia 2004

Mathias Klappenbach

Berlin. Nach zwei Sekunden rollt der Ball weg, aber Alina Kabajewa lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie gehört zu den wenigen Gymnastinnen, die mehr als die geforderten zehn Schwierigkeiten in ihrer Übung haben, deshalb zieht ihr die Jury für den Fehler keine Punkte ab. Die Europameisterin gewann am Samstag den Mehrkampf beim Berlin Masters der Rhythmischen Sportgymnastik, die Russin hat sich nach ihrer einjährigen Dopingsperre wieder fest in der komplett anwesenden Weltspitze etabliert.

„Ich kann das eigentlich viel besser“, sagt Lisa Ingildejewa nach dem Mehrkampf, der beim Grand Prix die Qualifikation für die Einzelfinals ist. Lisa wird 18., die Nachwuchshoffnung des Deutschen Turner-Bundes ist bei ihrem ersten Grand-Prix-Start ziemlich aufgeregt. Die Übung mit dem Reifen klappt noch ganz gut, später fliegen die Keulen aber gleich viermal nicht so, wie sie eigentlich sollen. Die besten Gymnastinnen aus Osteuropa können Patzer so überspielen, dass man sie nach einer Sekunde wieder vergessen hat. Lisa braucht noch etwas länger, um wieder in den Rhythmus zu kommen. „Ich sammele Erfahrungen, nächstes Jahr geht es richtig los“, sagt die 14-Jährige, die am Sonntag mit einer Wildcard auch dreimal bei den Einzelfinals der besten acht startete.

Sie will viele Wettkämpfe bestreiten, um sich bei den Preisrichterinnen bis zur Weltmeisterschaft einen Namen zu machen. Das Grand-Prix-Turnier in Berlin war ein wichtiger Test für das große Saisonziel im September in Budapest. Um sich ihren Traum von Olympia zu erfüllen, muss Lisa bei der WM unter die ersten sechzehn im Mehrkampf kommen. Auch die Mannschaftsformation hat Chancen, nach Athen zu fahren. Für dieses Ziel wurden die besten Einzel-Gymnastinnen der vergangenen Jahre in der Formation versammelt. In der Max-Schmeling-Halle, die insgesamt über 3000 Zuschauer besuchten, startete das Team in einem Rahmenwettkampf. Cheftrainerin Livia Medilanski traut der Mannschaft die Qualifikation zu. Vielleicht kann sich die Trainerin bald um ganz andere Talente kümmern. Irina Winer, Mitglied im Technischen Komitee des Weltverbandes FIG, kündigte an, „unsere Türen auch für Männer zu öffnen“. Eine kleine Sensation, Meisterschaften gibt es bisher nur in Japan.

Der Weltverband bangt derzeit sogar um seinen Olympiastatus, die Veranstalter in Berlin bangen um ihr Turnier. Das nächste Masters im Oktober 2004 ist trotz der geplanten Kürzungen bei der Sportförderung aber nicht in Gefahr.

Bei den Grand-Prix- Wertungen am Sonntag glänzt Anna Bessonowa aus der Ukraine, sie gewinnt mit dem Reifen und den Keulen. Alina Kabajewa siegt mit dem Band und sammelt Plätze auf dem Treppchen, ihren Vorjahrestitel als „Miss Turnier“ verliert sie aber an Inna Schukowa. Die Mehrkampfdritte erobert das Publikum, weil sie nach einem Tonausfall ihre Ballübung ohne Begleitmusik durchturnt. Es sieht trotzdem so aus, als ob die Weißrussin im Takt ist.

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