Sport : Einen Wurf vom Aus entfernt

Wie sich Albas heutiger Gegner Würzburg vor dem finanziellen Kollaps rettete

Stefan Mantel

Würzburg . Wenn die Existenz eines Profiklubs von einem einzigen Wurf abhängt, wird deutlich, wie sehr der Fortbestand des Basketball-Bundesligisten TSK Würzburg vom finanziellen Kollaps bedroht ist. Zugetragen hatte sich jene Situation Anfang März im Pokal-Viertelfinale gegen Vizemeister Bamberg. Würzburgs Geschäftsführer Jörg Falckenberg hatte vorab die Etat-Unterdeckung mit 150 000 Euro beziffert und darauf verwiesen, „dass, wenn in den nächsten Tagen nichts passiert, wir den Laden dichtmachen und Insolvenz anmelden müssen“. Es wäre nach Hagen und dem Mitteldeutschen BC bereits die dritte Insolvenz in der Basketball-Bundesliga in dieser Saison gewesen.

Dann kam der letzte Angriff im Spiel gegen Bamberg. 62:64 stand es, das Aus rückte in jeglicher Hinsicht bedrohlich nahe. Würzburgs Dubravko Zemljic übernahm acht Sekunden vor Schluss die Verantwortung, setzte zum Drei-Punkte-Wurf an – und traf. Es war die Rettung.

„Ohne den Sieg gegen Bamberg wäre es sehr schwer geworden, dem Tod von der Schippe zu springen“, sagt TSK-Manager Wolfgang Malisch. 50 000 Euro lobte der umtriebige Hauptsponsor Günther Tröster spontan für den Sieg aus. „Das ist mir der Spaß wert“, sagte der Unternehmer, der letzte Saison noch Geldgeber und Lizenz-Inhaber beim fränkischen Rivalen Bamberg war. Dort hatte er sich aber im Streit und nach einer monatelangen öffentlichen Schlammschlacht zurückgezogen. Er hat dafür auch noch eine sechsstellige Summe erhalten, weil die neue Bamberger Klubführung ihm das Teilnahmerecht für die Basketball-Bundesliga abkaufen musste.

Der Erfolg gegen Bamberg wirkte wie eine Initialzündung für den Heimatverein des NBA-Stars Dirk Nowitzki. Sportlich folgten dem Pokal-Coup auch in der Bundesliga Überraschungen gegen die Top-Teams aus Frankfurt und Bonn. Finanziell engagierten sich einige heimische Unternehmen, die den Fortbestand zumindest bis zum Saisonende garantieren. Die örtliche Tageszeitung versteigerte ein Auto zu Gunsten der X-Rays, und der ehemalige Hauptsponsor s.Oliver verdoppelte die Zuschauer-Einnahmen gegen Bonn.

Diesem Vorbild folgt die Daimler-Chrysler-Niederlassung Würzburg am heutigen Gründonnerstag, wenn der amtierende Deutsche Meister und Tabellenführer Alba Berlin in Würzburg (20.15 Uhr, live auf TV Berlin) gastiert. „Anscheinend liebt diese Stadt den Spitzensport doch mehr, als sie es bisher gezeigt hat. Die Solidarität und Unterstützung, die wir zurzeit erfahren, sind grandios“, sagt Malisch. Er hofft, die derzeitige Euphorie um den Klub bis in die nächste Saison retten zu können. „Wir haben noch einige Dinge aus der Vergangenheit aufzuarbeiten, aber vor dem Hintergrund der aktuellen positiven Entwicklungen können wir die Zukunft durchaus optimistisch angehen“, erzählt der Würzburger Manager. Glückswürfe kurz vor der Sirene sind dabei ausdrücklich nicht mit einkalkuliert.

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