Sport : Einer trage des anderen Last

Bremer Profis streiten über Koffer und Kisten

Frank Hellmann

Berlin – Kaum hat Werder Bremen zum ersten Mal in dieser Saison verloren, gibt es auch schon Streit. Nach dem 0:2 bei Schalke 04 kam es im Kabinengang zum Eklat. Auslöser: Patrick Owomoyela, der mit Kopfhörer auf den krausen Haaren und Händen in den Hosentaschen lässig zum Bus schlenderte, sich aber weigerte, Koffer, Kisten und Gerätschaften zu tragen. Daraufhin stellte Sportdirektor Klaus Allofs den Nationalspieler zur Rede. Daraus entwickelte sich ein Wortgefecht, in dem sich Owomoyela laut „Bild am Sonntag“ im Ton vergriff. Ohrenzeugen wollen folgenden Wortlaut vernommen haben: „Da sind noch 20 andere in der Kabine. Aber kein Pisser fasst mit an.“ Es wäre zum einen eine Beleidigung für alle Mitspieler, zum anderen Ausdruck des Frusts eines Verteidigers, der seinen Stammplatz an Neuzugang Clemens Fritz verloren hat.

Allofs bestätigte am Sonntag den Vorgang, wehrte sich aber gegen die Überlieferung, Owomoyela habe „Pisser“ gerufen. „Nur ich habe mit ihm geredet: Er hat von ‚verpissen’ gesprochen.“ Für Allofs ändert das nichts an der grundsätzlichen Verfehlung: „Es geht nicht, dass man nach dem Spiel seinen Dienst nicht verrichtet. Wir haben keine Träger im Verein angestellt, also sind die Profis gefordert, dem Zeugwart zu helfen – insbesondere die ausgeruhten, die nicht zum Einsatz gekommen sind.“ Allofs: „Es ist klar, dass Spieler wie Owomoyela oder Klasnic nicht glücklich sind, wenn sie nicht spielen. Aber das darf nicht dazu führen, dass sie schlechte Laune verbreiten.“

Owomoyela beklagt, dass die Haltung einiger jüngerer Kollegen nicht stimme: „Ich habe bewusst nichts getragen, weil es einige jüngere Herren im Team gibt, die schon lange nicht mit anfassen.“ Allofs kontert: „Ich lasse nicht zu, dass ein Keil zwischen uns getrieben wird.“ Der Sportdirektor wird zwar keine Geldstrafe verhängen, wohl aber eine Aussprache mit Kapitän Frank Baumann anberaumen. „Die Disziplin ist eine Grundvoraussetzung für das Zusammenleben einer Mannschaft. Zum Erfolg tragen viele Dinge im Detail bei.“

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