Sport : Einer wie Beckenbauer

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Michael Rosentritt über das Besondere in Michael Ballack

In der letzten Zeit hatte Franz Beckenbauer viel um die Ohren. Hier die vielen Werbetermine, da der ganz gewöhnliche Stress im Privaten. Vor lauter Hin und Her kommt Franz Beckenbauer kaum noch dazu, sich mit Fußball zu beschäftigen (und da kennt er sich nun wirklich gut aus). Trotzdem. Über zwei Fußballspieler wollte er dennoch mal etwas sagen. Über Stefan Effenberg und über Michael Ballack. Zu Stefan Effenberg, der neuerdings in Wolfsburg Fußball spielt, fiel Franz Beckenbauer das Wort „Blasengel“ ein. Stefan Effenberg spielte mal beim FC Bayern, dessen Präsident Franz Beckenbauer noch immer ist. Jetzt aber haben die Bayern den Michael Ballack geholt, als Nachfolger Effenbergs. Um etwas Passendes sagen zu können über Michael Ballack, hat Beckenbauer lange nachgedacht, und dann – natürlich! – hat Franz Beckenbauer den Michael Ballack mit sich selbst verglichen.

Die Deutschen wissen, was sie an Franz Beckenbauer hatten – einen der besten Fußballspieler der Welt. Die Deutschen wissen aber auch, was sie heute an Beckenbauer haben – nämlich einen, dem man nicht alles übel nehmen darf, was er so alles sagt. Bei Michael Ballack aber ist ihm (besser: seinem Klub) ein Treffer gelungen. Wenn Oliver Kahn das Rückgrat der deutschen Fußballnationalmannschaft ist, dann ist Michael Ballack ihr Kopf. Ballack hat vieles: Gewandtheit, Gestaltungskunst, Hilfs- und Einsatzbereitschaft. Egal ob auf einer Weltbühne wie in Asien oder auf einer Holperwiese in Kaunas. Michael Ballack ragt heraus. In ihm bündelt sich viel Gutes von vielen anderen guten Spielern. Und noch mehr: Ballack hat sich jene Kampfkraft erworben, die Spieler wie Beckenbauer einst nicht vorweisen mussten, die aber heute enorm wichtig ist.

All das hat seine Zeit gebraucht. Lange haftete ihm das Image des eingebildeten Wohlstands-Jünglings an. Nicht einmal ein Jahr ist es her, da behaupteten die Leute: Aus dem wird nie einer werden. Wie der schon läuft! Stolziert mit seinen blitzsauberen Trikot über den Platz als wäre er schon dreimal Weltmeister – ganz wie, ja, ganz so wie Franz Beckenbauer. „Weil er auch den Kopf immer hoch hält, wirkt das arrogant. Dabei zeigt es nur, dass er nicht gucken muss, was der Ball macht, der gehorcht ihm auch so.“ Das hat auch Franz Beckenbauer gesagt.

Wir wollen uns nicht vorstellen, was gewesen wäre, hätte dieser Michael Ballack im WM-Finale von Yokohama gegen Brasilien mitspielen können. Oder doch?

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