Sport : Einfach unaufhaltsam

Auch Müdigkeit kann Rafael Nadal nicht stoppen: Im Pariser Finale lässt er David Ferrer keine Chance.

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Paris ist seine zweite Heimat. Rafael Nadal gewann als erster Tennisprofi achtmal beim selben Grand-Slam-Turnier. Foto: AFP
Paris ist seine zweite Heimat. Rafael Nadal gewann als erster Tennisprofi achtmal beim selben Grand-Slam-Turnier. Foto: AFPFoto: AFP

Paris - Rafael Nadal sah müde aus. So müde, wie schon lange nicht mehr. Vielleicht hatte der 27 Jahre alte Spanier zuletzt so ausgelaugt gewirkt, als er sich im Endspiel der Australian Open vor eineinhalb Jahren fast sechs Stunden lang mit Novak Djokovic duelliert hatte. Nach der Partie damals konnten beide nicht mehr stehen. Im Halbfinale bei den French Open hatten Nadal und Djokovic nun wieder einen Tennis-Marathon hingelegt, der fast fünf Stunden dauerte. Und diese Strapaze hatte Nadals Körper mit nur einem Tag Pause offenbar noch nicht weggesteckt. Er bewegte sich nicht so spritzig, und es schien ihm schwerzufallen, die Anspannung wieder aufzubauen. Sein Halbfinale hatte sich schon viel zu sehr wie das Finale angefühlt.

So wirkte Nadal verwundbar, und das in seinem Stade Roland Garros. Auf jenem Court Philippe Chatrier, auf dem Nadal nur eine seiner 59 Partien verloren hatte. Und dann stand ihm weder Djokovic noch Federer in diesem Endspiel gegenüber, sondern ein Debütant. Aber es ist wohl das Schicksal des Spaniers David Ferrer, dass er sogar sein Bestes geben kann, und es doch nicht genug ist. Nadal holte sich mit letzter Willenskraft einen 6:3, 6:2, 6:3-Sieg und seinen achten Titel in Roland Garros. Er ist damit der erste Spieler der Geschichte, dem das bei einem einzigen Grand-Slam-Turnier gelang. „Ich hätte nie zu träumen gewagt, dass ich das einmal schaffe“, sagte er, „besonders nicht nach meiner langen Verletzung. Dieser Sieg ist sehr speziell für mich.“

Doch als Nadal glücklich den silbernen „Coupe des Mousquetaires“ in den trüben Pariser Himmel reckte und ein paar Tränen beim Klang der spanischen Hymne verdrückte, waren es nicht die Rekorde, die ihm von seinem Triumph in Roland Garros am eindringlichsten in Erinnerung bleiben würden. „Das sind die kältesten French Open, die ich je erlebt habe“, sagte Nadal, und die kühlen, regnerischen Bedingungen hatten ihm nicht nur im Endspiel das Leben erschwert. Schon vor einem Jahr hatte er an diesem Ort plötzlich bezwingbar gewirkt, als es im Finale gegen Djokovic zu regnen begann. Acht Spiele in Folge gewann der Serbe damals, bis Nadal erlöst wurde und er am darauffolgenden Tag bei Sonnenschein seinen siebten Sieg in Paris besiegeln konnte. Der nasse Sand macht das Spiel langsam, die Bälle steinhart und Nadals extremer Spin kommt nicht mehr zur Geltung. So wurde es auch gegen Ferrer ein hartes Stück Arbeit, vor allem, weil Nadals Landsmann einer der zähesten Gegner ist. Seit langem ist der 31-Jährige der ärgste Verfolger der besten vier der Weltrangliste, ein Arbeiter, der rackert bis zum Umfallen.

Für seine Konstanz unter den Besten der Szene hätte man Ferrer einen Grand-Slam-Titel gegönnt, selbst Nadal. „Wenn ich schon verlieren muss, dann lieber gegen David als irgendjemand anderen“, hatte er gesagt, doch es war kein Tag für Geschenke. Dass sie befreundet sind, schien sie zu Beginn zu hemmen.

Ferrer war nie chancenlos. Er erspielte sich beharrlich Breakmöglichkeiten, ging mit Nadal kräftezehrende Ballwechsel von 25 oder 30 Schlägen mit und zeigte dem Publikum, warum keiner gerne gegen ihn spielt. Doch der matte Nadal mobilisierte in den wichtigen Momenten seine letzten Energiereserven.

„Bei den wichtigen Punkten ist Rafa einfach der Beste“, musste Ferrer anerkennen, „ich hätte noch aggressiver spielen müssen, aber es war zu nass, um mehr Winner zu schlagen.“ Dennoch machte es ein Kuriosum der Ranglistenzählweise möglich, dass Ferrer am Montag mit Nadal den Platz tauscht und die Nummer vier der Welt ist. „Das ist seltsam“, sagte Ferrer, „mir wäre es lieber, ich hätte gewonnen und bleibe Fünfter.“ Am Ende blieb es ein eher durchschnittliches Finale, das zweimal kurz von Aktivisten gestört wurde, die gegen die Homo-Ehe in Frankreich protestierten. Einer sprang sogar mit einer Bengalo-Fackel auf den Court. Doch das blieb nicht in Erinnerung. Es war Nadal, der glücklich und erschöpft auf seine rote Asche sank.Petra Philippsen

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