Sport : Einladung zum Schwarzhandel

Bei WM-Tickets für Fans gelten strenge Regeln – Karten für Sponsoren und Verbände sind dagegen nicht namentlich gekennzeichnet

Robert Ide[Frankfurt am Main]

Die Organisatoren der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 haben das Turnier strengen Sicherheitsstandards unterworfen. Sie wollen Hooligans aus den Stadien fern halten und gleichzeitig den Schwarzhandel eindämmen. Zu diesem Zweck haben das WM-Organisationskomitee (OK) und der Fußball-Weltverband Fifa eine Personalisierung der WM-Tickets festgelegt. Fans müssen beim Kauf von Tickets deshalb persönliche Daten wie Namen, Adressen und Personalausweis-Nummern von sich und ihren Begleitern angeben. „Jedes Ticket ist durch die Personalisierung (Name auf dem Ticket) eindeutig und einmalig“, heißt es in einer Erklärung des OK vom Januar dieses Jahres. Recherchen des Tagesspiegel ergaben, dass sich das nun geändert hat.

„Bei den Sponsoren und den Nationalverbänden wird kein einzelner Name auf der Karte stehen, sondern nur der entsprechende Firmen- oder Verbandsname“, bestätigt der Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, Horst R. Schmidt, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Das Organisationskomitee wird in diesen Fällen Namenslisten führen“, sagt Schmidt, der im OK für das Ticketing zuständig ist. Insider gehen davon aus, dass die Listen in den Stadien hinterlegt werden, aber nicht zwangsläufig abgeglichen werden müssen. Von den 3,2 Millionen Sitzplätzen stehen 555 000 den WM- Sponsoren zu, die teilnehmenden Fußballverbände erhalten 470 000 Karten.

Auch bei den vorausgehenden WM- und EM-Turnieren hätte es diese Namenslisten gegeben, sagt Schmidt. Doch gerade hier gibt es schlechte Beispiele. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea etwa blieben viele Plätze unbesetzt, obwohl die Stadien als ausverkauft galten. Vor allem Sponsoren und Verbände, aber auch Medienvertreter, hatten es versäumt, reservierte Kontingente zurückzugeben. Auch tauchten Tickets, die zum Beispiel die Kennung für Fifa-Exekutivmitglieder trugen, plötzlich zu hohen Preisen auf dem Schwarzmarkt auf. Bei der EM 2004 in Portugal hatten Teilnehmerländer wie Lettland, Russland und Italien ihre Kontingente nicht ausgeschöpft, Tausende Plätze blieben leer. Schmidt hofft, dass sich solche Dinge im kommenden Sommer vermeiden lassen – und wenn nicht, mittels der hinterlegten Namenslisten nachvollziehbar sind. „Bei Zwischenfällen kann entsprechend vorgegangen werden“, sagt Schmidt.

Die Eintrittskarten aus dem freien Verkauf tragen dagegen den Namen des Besitzers. Sie sind außerdem mit elektronischen Kontrollchips versehen. Auf denen sind zwar keine persönlichen Daten gespeichert, über einen Code kann aber auf sie zurückgegriffen werden. Beim Confed-Cup wurden diese Tickets in der Arena in Frankfurt am Main getestet. Während der WM sind vor den Stadien außerdem Ausweiskontrollen angekündigt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sind allerdings nur Stichproben geplant. Es gibt zwei Sicherheitsringe um die Arenen. An den Eingängen stehen Drehkreuze, die die elektronischen Chips erkennen und sich bei gültigen Tickets öffnen. Der vollständige Abgleich der Namen auf den Karten mit den Personalausweisen dürfte nicht möglich sein. „Natürlich werden wir nicht 60 000 Zuschauer kontrollieren können, die zudem in ihrer Mehrzahl erst eine Stunde vor dem Spiel Einlass begehren“, sagt Schmidt. Wer jedoch mit einer nicht auf ihn zugelassenen Eintrittskarte erwischt wird, kann abgewiesen werden.

Die Personalisierung von Eintrittskarten hatte Proteste von Verbraucher- und Datenschützern hervorgerufen. Fanvertreter hatten eine Tauschbörse verlangt. Für sie gibt es nun eine gute Nachricht: Gekaufte Karten sollen künftig weitergegeben und offiziell verkauft werden dürfen. Die Verhandlungen zwischen Fifa, OK und dem Ticketvermarkter CTS Eventim über die Weitergabe von Eintrittskarten stehen vor dem Durchbruch. „Wir sind optimistisch, dass wir die Übertragung von Tickets möglich machen können", sagt Schmidt. Bislang wurden in einer ersten Verkaufsphase 812 000 Einzeltickets veräußert, die zweite Phase läuft. Bis 15. November werden auf der Internet-Seite www.fifaworldcup.com noch Teamserien zur Begleitung einer Mannschaft angeboten (siehe oben).

Bis September wollen die Parteien bei den Verhandlungen über eine Ticketbörse zu einer Lösung kommen. Für eine Weitergabe müssen aber laut Schmidt „triftige Gründe vorliegen, denn die Übertragbarkeit darf kein Freibrief für den Schwarzmarkt werden“. In informierten Kreisen ist dabei von Krankheiten oder veränderten Familienumständen die Rede. Ob beispielsweise eine Nichte Karten an ihren Onkel weitergeben darf, ist noch umstritten. Ebenfalls offen ist, wie die Weitergabe technisch abgewickelt wird. „Personaldaten der WM-Zuschauer sind bis zum Turnier aus Sicherheitsgründen verlässlich zu pflegen“, fordert Schmidt. Änderungen der Adresse muss der Fan darum immer an die Ticketverkäufer weitergeben.

Ein legaler Weiterverkauf von Karten soll ebenfalls möglich sein. „Es geht auch darum, ob wir eine offizielle Stelle schaffen, die Karten zurücknimmt“, sagt Schmidt. Dies sei aber erst möglich, wenn diese Karten nicht mehr im offiziellen Verkauf angeboten würden und wenn sich ein Käufer für sie finde. „Einen Anspruch auf Weiterverkauf gibt es nicht“, sagt Schmidt. Bisher versuchen Fans und Händler, beim Internet-Auktionshaus Ebay Tickets zu verkaufen. Die Organisatoren haben dies als Schwarzhandel kritisiert und Ebay um eine Einstellung gebeten – allerdings vergeblich.

Insgesamt sind lediglich 913 000 Tickets für den freien Fanverkauf vorgesehen. Die anderen Karten sind für Sponsoren, Vips, Ehrengäste und die teilnehmenden Verbände reserviert. Die Organisatoren hoffen, dass Sponsoren überschüssige Karten zurückgeben und Fußball- Verbände ihre Kontingente nicht voll ausschöpfen. „Ich appelliere an die Sponsoren, Karten nicht verfallen zu lassen“, sagt Schmidt. Zurückgegebene Tickets sollen frei verkauft werden, auch während der WM. „Es wird Verkaufskioske in den Innenstädten, vielleicht auch an den Bahnhöfen der Spielorte geben“, sagt Schmidt. Insider rechnen mit einem Verkauf bis zwei Tage vor einem Spiel.

Schmidt weiß, dass ihn die Debatte um die WM-Tickets bis zum Endspiel begleiten wird. Er sagt: „Das ist ein Feld, auf dem man kein Lob erwarten kann.“

Es gibt 3,2 Millionen Karten, ein Drittel davon im freien Verkauf . Bei der Bestellung werden persönliche Daten abgefragt. Die Gültigkeit der Karten wird an den Stadiontoren geprüft.

Derzeit können unter www.fifaworldcup.com Teamserien zur Begleitung einer Mannschaft bestellt werden. Teams mit Aussicht auf WM- Teilnahme sind vergriffen. Ab Dezember gibt es wieder Einzeltickets . Gewinner werden gelost.

Horst R. Schmidt ist als Vizepräsident des WM- Organisationskomitees für den Ticketverkauf zuständig . Der 63-Jährige ist auch Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes.

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