Sport : Einmal erfolgreich manipuliert

Staatsanwaltschaft hält Betrug bei Zweitligaspiel zwischen Siegen und Rostock für erwiesen

Christian Tretbar

Berlin - Adnan Masic beruft sich lieber auf höhere Instanzen. „Nur der liebe Gott kann vorher wissen, wie ein Fußballspiel ausgeht“, sagt der ehemalige Torwart der Sportfreunde Siegen, der heute in Diensten des Regionalligisten SV Wehen steht. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main sieht das alles etwas irdischer. Für sie ist es erwiesen, dass das Zweitligaspiel vom 26. Februar 2006 zwischen den Sportfreunden Siegen und dem FC Hansa Rostock erfolgreich manipuliert wurde. Ein ehemaliger serbischer Profifußballer und Trainer, mutmaßlich Dragan A., soll einem Spieler Geld für die Manipulation des Spiels angeboten haben. In der Begegnung sollten weniger als drei Tore fallen und Hansa Rostock mindestens eines schießen. Darauf habe Dragan A. 10 000 Euro und ein Asiate 20 000 Euro gesetzt.

Der Einsatz hat sich gelohnt, denn das Spiel endete 2:0 für Rostock. Namen wollte die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen, aber zumindest wurde Adnan Masic schon vor Monaten von der Polizei zu diesem Fall vernommen. Dragan A. ist ein guter Freund von Masic. „Wir kennen uns wirklich schon sehr lange und wir haben auch vor dem betreffenden Spiel miteinander telefoniert“, sagte Masic dem Tagesspiegel.

Aber von Manipulation könne keine Rede sein. Während des besagten Telefonats hätten beide über das anstehende Spiel gegen Rostock geplaudert und er habe sich dabei siegessicher gegeben. „Mein Freund sagte aber, dass weniger als drei Tore fallen werden und Rostock mindestens eines schießen wird“, so Masic. Das sei alles gewesen. „Das war mehr Motivation als Manipulation“, sagt Masic.

Mit einer Anklage seitens der Staatsantwaltschaft muss Masic derzeit nicht rechnen. Denn die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat zwar nach mehr als zehn Monaten Ermittlungen jetzt erstmals Anklage gegen acht Verdächtige im Fußball-Wettskandal erhoben, der Anfang des Jahres bekannt wurde. „Aber nur gegen Personen, die selbst Fußballer angeworben haben“, sagt Doris Müller-Scheu von der Staatsanwaltschaft. Zu den Hauptverdächtigen zählt ein 45-jähriger Asiate, dessen genaue Identität unbekannt sei. Er soll der Kopf einer Bande gewesen sein, der jetzt gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen wird. Dazu zählt auch ein 24-jähriger Libanese namens „Ali“. Beide sitzen seit 7. März in Untersuchungshaft. Dragan A. wurde bereits aus der U–Haft entlassen. Genauso wie ein 26 Jahre alter Deutsch-Pole, der das Geld überbringen sollte. „Bei beiden besteht keine Verdunkelungsgefahr mehr“, erklärt Müller-Scheu. Auch vier Spieler werden angeklagt. Dabei handelt es sich um einen Portugiesen der SpVgg Bayreuth, zwei Afrikaner von Rot-Weiß Erfurt sowie einen Spieler der SpVgg Elversberg. Den acht Angeklagten wird vorgeworfen, Spielern Geld für die Manipulation von Spielen angeboten zu haben, auf die sie hohe Geldbeträge gewettet haben. 5000 Euro soll es für schlechte Spielweise und 10 000 Euro für das Erzwingen von Elfmetern oder von Gelben und Roten Karten gegeben haben.

Insgesamt zehn Manipulationsversuche in der Zweiten Bundesliga, der Regionalliga und der österreichischen Bundesliga hat die Staatsanwaltschaft festgestellt. Bis auf das Spiel Siegen gegen Rostock seien alle Versuche erfolglos verlaufen. Entweder, weil die Spiele wegen schlechten Wetters abgesagt wurden oder weil die Spieler die Offerten abgelehnt haben. Einige Spiele endeten auch anders als geplant. Der Deutsche FußballBund (DFB) will erst einmal abwarten, bevor er selbst aktiv wird. „Wir werten die staatsanwaltlichen Ermittlungen sorgfältig aus und werden dann entscheiden, wie es weitergeht“, erklärte DFB-Mediendirektor Harald Stenger.

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