Sport : Einmal noch großer Fußball

Christian Hönicke

über die Zukunft des Bundesliga-Standorts Kaiserslautern Kaiserslautern bereitet sich auf Fußball-Feste vor. Die kleinste Bundesliga-Stadt ist dazu ausersehen worden, Spiele der Weltmeisterschaft austragen zu dürfen. Zu verdanken hat die 100 000-Einwohner-Stadt das ihrem berühmtesten Sohn: Fritz Walter. Dass der Deutsche Fußball-Bund den strukturschwachen Ort im Südwesten der Republik in sein wichtigstes Projekt seit Jahrzehnten eingebunden hat, ist eine einzige Verneigung vor dem Weltmeisterteam von 1954, dessen Fundament die Lauterer um Kapitän Walter bildeten. Diesen Beitrag zur bundesdeutschen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg hat man der Stadt nicht vergessen – wer über Kaiserslautern spricht, meint immer auch 1954. Kaum ein Bundesligastandort lebt so sehr von seiner Vergangenheit.

Doch in der neuen AG-Realität der Bundesliga lässt sich allein vom Legendenstatus nicht mehr leben. Im Gegenteil. Das schwere Erbe Fritz Walters droht den FCK zu erdrücken. Das Stadion auf dem Betzenberg ist nach ihm benannt – das ist ein Handicap in Zeiten gesponserter Namen. Fritz Walter lässt sich nicht so einfach gegen Veltins oder Duplo eintauschen, und deswegen entgehen dem Verein auch Millionen, die er dringend bräuchte. Großmannssucht und Misswirtschaft haben den viermaligen Deutschen Meister finanziell und sportlich an den Abgrund geführt. Die apathische Darbietung der Nachfolger Walters beim 0:3 in Berlin lässt wenig Raum für Hoffnung auf den Klassenerhalt.

Zumindest einmal wird Kaiserslautern noch großen Fußball sehen. Allerdings nicht vom FCK – der wird zu diesem Zeitpunkt, im WM-Sommer 2006, womöglich nicht mehr in der Ersten Liga spielen.

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