Sport : Eintracht Frankfurt: Keine Substanz, aber einen neuen Trainer

sid

Eintracht Frankfurt bastelt an der Zukunft: Der Schweizer Martin Andermatt soll den Absteiger nach einer katastrophalen Saison voller Pleiten, Pech und Pannen in der kommenden Saison wieder in die Fußball-Bundesliga führen. "Ich bin mir dieser großen Verantwortung bewusst. Aber sie übt auch einen sehr großen Reiz auf mich aus", erklärte der 39-Jährige nach der Unterzeichnung seines bis 2003 laufenden Vertrags am Sonntag und kündigte an: "Bei mir werden nur solche Profis spielen, die das Eintracht-Leibchen gerne tragen." Andermatt, der den SSV Ulm vor zwei Jahren in Liga eins geführt hatte, tritt damit nach der Saison die Nachfolge des erfolglosen Friedel Rausch an. Der 61-Jährige soll künftig als Teammanager die Geschicke der Eintracht leiten.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? "Für uns kann nur der direkte Wiederaufstieg das Ziel sein. Dazu müssen wir den Kader erheblich verändern", betonte Rausch und sparte nach dem 0:3 beim VfL Wolfsburg am Sonnabend nicht mit vernichtender Kritik: "Diese Mannschaft hatte nie die Substanz, um den Abstieg zu verhindern." Über die personelle Zusammenstellung soll in den kommenden Tagen beraten werden. Regisseur Horst Heldt und Stürmer Chen Yang dürften ablösefrei wechseln, andere Spieler haben Ausstiegsklauseln in ihren Verträgen.

Friedel Rausch hatte seit Anfang April aus sechs Spielen nur einen Sieg (3:0 gegen Mitabsteiger VfL Bochum) geholt. Zu wenig, um im dritten Jahr nach zwei in letzter Sekunden verhinderten Abstürzen in Serie erneut das Wunder vom Klassenerhalt zu schaffen. Zumal die Eintracht durch fast schon obligatorische Fehltritte auf und außerhalb des Rasens "glänzte". Der Entlassung von Trainer Felix Magath Ende Januar nach dem 1:5-Debakel gegen den 1. FC Köln folgte die endlose Trainersuche, bei der die Frankfurter unter anderem "Körbe" von Klaus Toppmöller, Lothar Matthäus und Hans-Peter Briegel erhielt. Zudem behaupteten die Frankfurter beharrlich, dass der mit nahezu allen Vollmachten ausgestattete Eigenbrötler Magath einen Trümmerhaufen hinterlassen habe. Die von ihm als Leistungsträger gepriesenen Neuverpflichtungen Karel Rada und Tommy Berntsen seien teure Flops, dagegen seienReißer-Typen wie die von Magath aussortierten Salou (inzwischen Hansa Rostock) und Fjörtoft (zurück nach Norwegen) im Abstiegskampf vermisst worden.

Als Chance zum Neubeginn sieht Aufsichtsrat-Boss Reinhard Gödel den zweiten Abstieg seit 1996: "Es war vielleicht besser so, als weiter zu wursteln und von einem Dilemma ins andere zu fallen. Jetzt müssen wir einen radikalen Schnitt durchführen. In der Mannschaft wird ebenso ausgemistet wie auch in der Chefetage", betonte Gödel. Harte Worte, die sich vor allem gegen den Vorstandsvorsitzenden der Fußball-AG, Steven Jedlicki, und den längst entmachteten Sportdirektor Rolf Dohmen richten. Dohmen büßte durch seine misslungene Tätigkeit als Interimscoach nach der Magath-Entlassung eine Menge Autorität ein. Der gebürtige New Yorker Jedlicki leistete sich im ersten Jahr als "Kopf" der Eintracht-Chefetage noch viele Fehler und musste Lehrgeld zahlen. Doch zumindest zur Eigenkritik ist Jedlicki fähig. "Wir hätten uns schon in der Winterpause von Magath trennen müssen, doch wir wollten Kontinuität wahren", sagte Geschäftsmann Jedlicki, der seine Vision noch nicht aufgegeben hat. "Unser Ziel bleibt es, im Jahr 2004 oder 2005 in einem europäischen Wettbewerb zu stehen", erklärte der AG-Boss.

Der strategische Partner Octagon, der den Klub im vorigen Jahr mit einer Geldspritze von 50 Millionen Mark vor dem Lizenzentzug bewahrt hatte, investierte in dieser Saison rund 30 Millionen Mark - für den Abstieg. Auch den sofortigen Wiederaufstieg will sich die weltweit operierende Firma einiges kosten lassen. Nicht zuletzt, weil Octagon Betreiber des neuen Waldstadions sein wird. Der Etat in der Zweiten Liga soll zwischen 40 und 50 Millionen Mark (Bundesliga: zwischen 70 und 80 Millionen) liegen.

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