Sport : Einzelgespräch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden von TeBe

Benedikt Voigt

Erwin Zacharias stand auf dem Mittelstreifen einer vierspurigen Schnellstraße und blickte mit düsterer Miene in die Dunkelheit. Jedes Auto, das vorbeirauschte, suchte der Aufsichtsratsvorsitzende von Tennis Borussia nach einem Taxi-Schild ab, doch es wollte keines kommen. Am Straßen-rand wählte indessen Jan Schindelmeiser zum dritten Mal die Nummer eines Kölner Taxi-Unternehmens. "Wir warten jetzt schon 20 Minuten", sagte der Manager von Tennis Borussia, "langsam werde ich ärgerlich."

Eine Stunde zuvor hatte das Führungsduo vom Berliner Zweitligisten die Contenance besser bewahrt. Und das war nicht leicht. Schindelmeiser und Zacharias hatten das unansehnliche 0:0 beim Abstiegskandidaten Fortuna Köln vor 1000 Zuschauern in Reihe drei der Tribüne West miterleben müssen. "Ich wollte auch dabei sein, wenn die Mannschaft drei Punkte holt", begründete Zacharias in der Halbzeitpause seine überraschende Anwesenheit. Bislang hat der verschlossene Vereinsobere sein Team nur sehr selten auf einer Auswärtsfahrt begleitet. "Das war abgesprochen, dass er kommt", sagte Trainer Winfried Schäfer, "die Mannschaft sollte sehen, dass er mit dem Herzen beim Verein ist." Nach dem Spiel sah man Zacharias jedoch mit keinem Spieler reden. Sehr wohl aber mit dem Trainer.

Auf dem Gesicht des unterkühlten Aufsichtsratsvorsitzenden, der Journalistenfragen regelmäßig mit "kein Kommentar" abbügelt, ließ sich während des Spiels nur selten eine Regung erkennen. Das Tor für Fortuna nach drei Minuten nahm Zacharias ohne mit der Wimper zu zucken zur Kenntnis, ebenso wie die fälschliche Aberkennung dieses Treffers durch Schiedsrichter Michael Weiner. Später schüttelte Zacharias immerhin leicht den Kopf, als er Copados kläglichen Versuch registrierte, einen Foulelfmeter ins Ziel zu schießen (39.). Dann schüttelte der TeBe-Chef noch heftiger den Kopf, was für seine Verhältnisse schon einem Gefühlsausbruch gleichkam. War aber auch besonders dumm, wie Ivan Kozak trotz Verwarnung den Ball in Richtung Zuschauer trat (43.). Gelb-Rot wegen Ballwegschlagens. "Unmöglich", ärgerte sich Schäfer später, "so etwas kann man ihm nicht durchgehen lassen."

Tennis Borussia, das bislang eher für Spielkultur bekannt war, versuchte es nun auf die unfeine Art. Vier Gelbe Karten, einmal Gelb-Rot und einmal Rot bildeten die einzig zählbare Bilanz für die Berliner bei diesem niveauarmen Zweitligaspiel. "So muss man fighten, um Punkte zu holen", sagte Schäfer. Dass sich TeBe zu neunt gegen ersatzgeschwächte und ebenfalls verunsicherte Fortunen in der Schlussphase kein Tor einfing, lässt sogar manchen beim Aufstiegskandidaten hoffen. "Wir müssen uns an jeden Strohhalm klammern", findet Rösler. Nach fünf sieglosen Spielen und dem dritten 0:0 in Serie schwindet das Selbstvertrauen beim Tabellenvierten zusehends.

Auch bei Winfried Schäfer? Der Trainer verkündet zwar weiterhin tapfer: "Es gibt keine Probleme bei Tennis Borussia." Doch der Trainer musste am Sonntag seinem Aufsichtsratsvorsitzenden gleich zwei Mal Rede und Antwort stehen. Zacharias war nach dem Schlusspfiff über den Rasen geeilt und hatte im Umkleidetrakt des Kölner Südstadions auf seinen Sportlichen Leiter gewartet, der erst noch vor die Fernsehkameras trat. Nach einer kurzen Unterredung mit Zacharias und Schindelmeiser gingen alle Beteiligten zur Pressekonferenz. Später sah man Zacharias im Kabinentrakt noch eine Viertelstunde auf den Trainer einreden. Heraus kam Schäfer, der zwar immer noch "einen Aufwärtstrend" sah, aber angeschlagen wirkte. Seine Stimme tönte leiser, die Sätze kamen nachdenklicher. Der Druck auf Winfried Schäfer wächst.

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